US-Baukonzerne
Es geht an die letzten Reserven

Für die führenden US-Baukonzerne gehen die Schmerzen auch im dritten Jahr der Krise weiter. Eine Analyse der jüngsten Firmenergebnisse zeigt: Umsatzeinbrüche oberhalb von 50 Prozent sind im Vorjahresvergleich noch immer die Regel, die Schuldenstände alarmierend hoch und erste Quartalsgewinne weiterhin nicht in Sicht.
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NEW YORK. Derart belastet, klammert sich die Branche an jeden Strohhalm - und wenn es nur branchenüblich höhere Hausverkäufe im Sommer sind. Die Stimmung, dass jetzt eine gute Zeit zum Immobilienkauf sei, gewinne an Momentum, sagt Stuart Miller, Chef der Baufirma Lennar Corp. aus Miami, Florida.

In der Tat sind Hauskäufer zuletzt aus ihrer Schockstarre erwacht, angelockt von niedrigen Hypothekenzinsen, deutlich gefallenen Immobilienpreisen und Steuervergünstigungen der Regierung - die allerdings in wenigen Wochen auslaufen. Der Durchschnittspreis eines US-Einfamilienhauses hat sich von seinem Tiefpunkt zu Jahresbeginn nach oben bewegt, wenn auch nur um 14 000 Dollar auf 178 300 Dollar. In einigen US-Städten sei "der Beginn einer Erholung zu erkennen", sagt Immobilienexperte Karl Case, Mitgründer des viel beachteten Case-Shiller-Hauspreisindexes.

Eine durchgreifende Wende erwarten die wenigsten Marktbeobachter: Im Zuge der anhaltenden Arbeitsplatzverluste in den USA hat es im ersten Halbjahr 1,9 Millionen Zwangsvollstreckungen gegeben, so viele wie nie zuvor. In Deutschland liegt die vergleichbare Zahl bei 45 000. Viele Amerikaner verlieren derzeit erst ihren Job und müssen dann angesichts überbordender Verpflichtungen ihr Haus aufgeben. Die Leerstände, vor allem in einstigen Boomstädten wie Miami, Las Vegas oder Phoenix, steigen weiter. "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns", sagt Jack McCabe von der auf Immobilien spezialisierten Beratungsfirma McCabe Research. Allein im Bundesstaat Florida seien derzeit 23 Prozent aller Hausbesitzer entweder in Zahlungsverzug oder bereits in der Zwangsvollstreckung. Die Ausfallwelle wirke wie ein Brandbeschleuniger und werde den US-Immobilienmarkt "auf Jahre hinaus" belasten, warnt McCabe.

Die Zeichen in der Baubranche stehen deshalb weiter auf Konsolidierung. Mit Centex und Pulte Homes haben sich gerade zwei Konzerne zusammengeschlossen, die gemeinsam größer sind als der bisherige Marktführer D.R. Horton. Viel zu feiern gibt es bei der Notfusion indes nicht: Die auf Billighäuser spezialisierte Centex hat im vergangenen Jahr 2,66 Mrd. Dollar verloren, Pulte verbuchte einen Nettoverlust von 1,47 Mrd. Dollar. Die Zusammenführung der Organisationen unter dem Dach der ursprünglich kleineren Firma Pulte in Bloomfield Hills, Michigan, soll Einsparungen von jährlich 350 Mio. Dollar bringen und eine bisher nicht bezifferte Zahl von Arbeitsplätzen kosten.

Der Deal hat Spekulationen in den USA genährt, dass sich weitere Baukonzerne zusammenschließen könnten. Börsennotierte Anbieter wie Beazer Homes aus Atlanta, Georgia, oder Hovnanian aus New Jersey sind im Frühjahr 2009 deutlich unter einen Dollar pro Aktie gefallen und entsprechend günstige Übernahmeziele. Inzwischen werden zwar wieder mehr als fünf Dollar für Beazer und knapp vier Dollar für Hovnanian geboten. Dennoch bringen die beiden Firmen - ausgezehrt von der langen Krise - nicht einmal mehr 400 Mio. Dollar Börsenwert auf die Waage.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland

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