US-Behörden ermitteln gegen Alstom wegen Korruption
Heimliche Genugtuung für Siemens

General Electric hat sich beim Kampf um Alstom durchgesetzt. Siemens räumte die Niederlage ein. Aber ist es das wirklich? Oder ist es in Wahrheit der Münchener Konzern, der zuletzt lacht? GE steht schon Ärger ins Haus.
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New York/München/Hamburg/ParisWar das jetzt Enttäuschung, die in den Worten von Siemens-Chef Joe Kaeser mitschwang, als er am Freitagabend seine Niederlage im Milliardenpoker um Alstom eingestand? Oder freute sich hier einer der mächtigsten Konzernlenker Deutschlands darüber, seinem US-Erzrivalen General Electric die Übernahme des französischen Industriekonzerns so schwierig wie möglich gemacht zu haben?

Siemens habe zusammen mit seinem japanischen Partner Mitsubishi Heavy Industries „nachweislich das bessere Angebot“ vorgelegt, erklärte Kaeser in einer halbseitigen Mitteilung, die die Siemens-Pressestelle kurz vor 22 Uhr verschickte. Statt zu grollen, feierte Kaeser sich und sein Team: „Wir haben in der Auseinandersetzung um Alstom Handlungsfähigkeit, unternehmerischen Willen, strategische Finesse und letztlich vor allem auch Disziplin bewiesen.“

War am Ende alles nur Taktik, um General Electric zu teuren und zeitraubenden Zugeständnissen zu bewegen? Siemens wollte sich zwar Alstoms Gasturbinen einverleiben und damit das Filetstück des französischen Konzerns, doch hätte die spätere Integration schon angesichts des erbitterten Widerstands von Alstom-Chef Patrick Kron vermutlich unter keinem guten Stern gestanden.

Als problematisch gilt auch der Einfluss der französischen Regierung, die in wichtige Entscheidungen der großen Industrieunternehmen des Landes immer wieder hineinredet. So verkündete zunächst nicht Alstom das Aus für Siemens, sondern Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg. Erst einen Tag später - am Samstag kurz vor Beginn des Länderspiels Deutschland gegen Ghana - akzeptierte auch der eigentlich zuständige Verwaltungsrat des französischen Konzerns das Angebot der Amerikaner.

Statt Siemens muss sich jetzt General Electric mit den Politikern in Paris herumschlagen - und es kommt knüppeldick. Denn die Amerikaner übernehmen im eigentlichen Sinne vor allem die Gasturbinen-Sparte. Für den Rest gründen sie Gemeinschaftsunternehmen mit Alstom: bei der Technik für Stromnetze, bei Wind- und Wasserkraft sowie bei der Ausrüstung für Atomkraftwerke samt den dazugehörigen Dampfturbinen. General Electric hat der Regierung in der sicherheitspolitisch heiklen Nukleartechnik sogar ein Vetorecht eingeräumt.

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  • Auf der französchen Seite stand im Vorstand ein ausgewiesener Hasser der Deutschen. Auf der deutschen Seite stand ein Manager der sogar seinen "zu deutsch" aussehenden Namen an die US Schreibweise angepasst hat, und zwar Vor- und Nachnamen. Ein bisschen meht Selbstbewusstsein wäre schon nicht schlecht bei einem Vorstand eines (noch?) deutschen Unternehmens.

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