US-Berichtssaison
US-Firmen im Realitäts-Check

Am Mittwochabend startet in den USA die Berichtssaison. Dem Hoffnungslauf an der Börse folgt dann der Realitäts-Check: Amerikas Unternehmen müssen zeigen, ob sie in die seit März 2009 deutlich gestiegenen Bewertungen am Finanzmarkt hineinwachsen können. Zweifel daran gibt es durchaus.

NEW YORK. Um 15 Prozent hat der Börsenindex S&P 500 allein im zweiten Quartal zugelegt, das höchste Plus seit 1998. Doch die Unsicherheit vor der Berichtssaison, die traditionell der Aluminiumkonzern Alcoa eröffnet, war selten größer.

Auf der einen Seite hat die Zwischenrallye Hoffnungen geweckt, dass die weltgrößte Volkswirtschaft USA nach 20 Monaten tiefer Rezession den Weg aus der roten Zone finden könnte. "Der Weg zur Erholung ist weit, aber die ersten Schritte sind gemacht", sagt Nigel Gault, Chefökonom des Analyse-Instituts IHS Global Insight. Immerhin ist das Finanzsystem einigermaßen stabilisiert und die Autoindustrie vor dem kollektiven Kollaps bewahrt.

Diverse Frühindikatoren, etwa im Frachtbereich, deuten auf eine leichte Belebung der Nachfrage hin. Fast 800 Mrd. Dollar aus dem Staatssäckel sind im Anmarsch, um die Konjunktur zu befeuern. Was der verschuldete Konsument nicht mehr schafft, muss die Regierung leisten: Shoppen zum Wohle der Wirtschaft.

Was die einen Finanzexperten Anzeichen einer Erholung oder neuerdings "Green Shoots" nennen (grüne Triebe), halten renommierte andere eher für Kunstdünger - einen aus Washington intonierten Stimmungswandel, der die Realitäten der schlimmsten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten ausblendet.

Der legendäre Investor Warren Buffett sagte kürzlich in einem CNBC-Interview, er könne bisher keine grünen Triebe erkennen: "Ich hatte eine Operation am linken Auge und dachte, das hilft, aber ich sehe sie immer noch nicht." Buffett mahnte, es seien noch "sehr viele Exzesse zu bereinigen", ehe die Wirtschaft wieder zu solidem Wachstum zurückfinden könne.

Auch James Melcher, einer der erfolgreichsten US-Investoren der vergangenen Jahre, bleibt skeptisch: "Die Wirtschaft schrumpft noch immer, und die Jobverluste sind weiterhin hoch." Der frühere Weltklassefechter und heutige Manager des Hedge-Fonds Balestra Capital geht nicht davon aus, dass die Unternehmensgewinne die Bewertungen am Finanzmarkt länger stützen können: Die Lage werde "nicht besser dadurch, dass sie sich mit langsamerer Geschwindigkeit verschlechtert", sagte Melcher dem "Wall Street Journal".

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