US-Börsenaufsicht SEC
Die Kehle zeigen

Vor allem aus Furcht vor der Securities and Exchange Commission (SEC) haben die Siemens-Aufseher Konzernchef Klaus Kleinfeld fallen gelassen. Denn die US-amerikanische SEC gilt als die härteste Finanz-und Börsenaufsichtsbehörde der Welt. Welche Macht hat sie tatsächlich?
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NEW YORK. Wer hierher bestellt worden ist, der hat oft bereits vorher die Hosen voll. 100 F Street lautet die Adresse, gleich neben Union Station, dem Bahnhof nördlich von Capitol Hill in der amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. Fast lieblos ist der neue siebengeschossige Gebäudekomplex direkt neben die Gleisanlagen gequetscht. Nur die US-Flagge und das Emblem mit dem Adler auf den beiden weißen Säulen, die den Eingang einrahmen und bis ans Dach reichen, signalisieren dem zufällig vorbei Spazierenden, dass hier eine wichtige Regierungsbehörde ihren Sitz hat. In dem nüchternen Bau mit der grün schimmernden Glasfassade befindet sich die unter Wirtschaftsführern wohl meistgefürchtete Institution der Welt, die Securities and Exchange Commission - kurz SEC.

In der hohen Eingangshalle mustert die Frau vom Sicherheitsdienst hinter dem runden Granittresen jeden Besucher, ohne dabei eine Mine zu verziehen. Sie trägt einen blauen Hut mit schmaler goldener Krempe, auf dem Oberarm ihres weißen Hemdes das Emblem der hauseigenen Sicherheitstruppe. Dann geht es zum Durchleuchten wie am Flughafen und anschließend an der Stellwand mit den Fotos der "Commissioners", den obersten Chefs der Behörde, vorbei in einen nüchternen Warteraum, der praktisch keine Sitzgelegenheiten bietet. Sitzen würde hier ohnehin niemand, sagt ein SEC-Mitarbeiter, "die laufen nervös hin und her". Und viele müssen warten, denn die meisten kommen zu früh. Verspätet zu einer Vorladung bei der SEC auftauchen - das wagt niemand.

Die SEC gilt als die härteste Finanz-und Börsenaufsichtsbehörde der Welt. Sie setzt illegalen Insidergeschäften nach, sie jagt betrügerische Hedgefonds-Manager, sie verfolgt Marktmanipulationen, sie kontrolliert, ob Broker und Investmentfonds ihre Geschäfte sauber abwickeln. Vor allem aber hat sie ein Auge darauf, ob Unternehmen korrekte Bilanzen erstellen. Das ist auch der Grund, warum die SEC eine Untersuchung gegen Siemens und Daimler-Chrysler eingeleitet hat. Beide deutschen Unternehmen sollen im Ausland Bestechungsgelder bezahlt haben. Das ist ein Verstoß gegen den Foreign Corrupt Practices Act, ein US-Gesetz, das solche kreativen Methoden zur Auftragssicherung unter Strafe stellt. Schwarze Kassen gehören nun mal nicht ins Repertoire ordnungsgemäßer Buchführung. Deshalb hat die SEC jetzt sogar direkt bei der Münchner Staatsanwaltschaft um Hilfe bei den Ermittlungen gegen Siemens nachgefragt.

Im vergangenen Jahr eröffnete die SEC insgesamt 914 Untersuchungen gegen Gesellschaften, Institutionen oder einzelne Personen, darunter im Herbst das Verfahren gegen Siemens. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre hat sich die Zahl der Untersuchungen mehr als verdoppelt. Die Erfolgsquote der SEC sieht nahezu makellos aus. In 99 Prozent aller Fälle konnte die Behörde eine "erfolgreiche Lösung" erreichen, was ein gewonnenes Gerichtsver- fahren genauso einschließt wie einen meist für die Beschuldigten äußerst teuren Vergleich. In den vergangenen vier Jahren einigte sich die SEC mit Unternehmen auf die Zahlung von rund 5,2 Milliarden Dollar - Strafgelder und erzielte illegale Gewinne. Im Zusammenspiel mit der US-Justiz brachte sie zudem zahlreiche Top- Manager wegen Bilanzfälschung für Jahre hinter Gitter.

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