US-Chemiekonzern
Dow Chemical will 2400 Stellen streichen

Die europäische Schuldenkrise und die Konjunkturabschwächung in China haben Dow Chemical zu schaffen gemacht. Jetzt will der Chemiekonzern Stellen abbauen – auch in Deutschland.
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MidlandDer US-Chemiekonzern Dow Chemical reagiert mit Werkschließungen und dem Abbau von weltweit 2400 Stellen auf die sich weiter eintrübende Konjunktur. Gleich den Rivalen Dupont und Akzo Nobel setzt auch dem größten amerikanischen Chemieunternehmen die sinkende Nachfrage in vielen Regionen immer mehr zu.

So brach im dritten Quartal der Gewinn um 39 Prozent auf 497 Millionen Dollar ein, wie der BASF-Konkurrent mitteilte. Auch geringere Verkaufspreise und eine erstarkte US-Währung drückten die Erträge. Die Dow-Aktie erholte sich am Mittwoch vorbörslich um 2,8 Prozent, nachdem der Kurs am Vorabend nach Veröffentlichung des Zwischenberichts kräftig abgesackt war.

Für die Quartalsbilanzen der deutschen Chemiekonzerne liefert Dow Chemical keine guten Vorzeichen. Der Branchenprimus BASF will am Donnerstag seinen Bericht vorlegen, Bayer folgt am Dienstag.

Neben dem Abbau von rund fünf Prozent seiner etwa 52.000 Stellen plant Dow Chemical die Schließung von 20 Werken weltweit. Unter anderem will der Konzern in Belgien eine Polyethylen-Anlage schließen, in den Niederlanden trifft es eine Natriumborhydrat-Anlage, auch die Produktion am Stammsitz in Midland ist betroffen. Rund eine halbe Milliarde Dollar an Kosten im Jahr will Dow bis Ende 2014 einsparen.

In Deutschland, wo Dow an 17 Standorten tätig ist, sollen zwar keine Werke geschlossen werden. Aber auch hierzulande will der Konzern rund drei Prozent der aktuell etwa 5300 Arbeitsplätze streichen. Zudem kündigte Dow an, weltweit einige Investitionen zurückzufahren. Das soll weitere 500 Millionen Dollar einbringen. "Realität ist, dass wir in der nahen Zukunft in einem Umfeld mit Niedrigwachstum unterwegs sind", erklärte Konzernchef Andrew Liveris.

Bereits am Dienstag hatte der US-Konkurrent DuPont nach einem herben Gewinnrückgang den Abbau von 1500 Stellen angekündigt. Der weltgrößte Farbenhersteller Akzo Nobel hatte vergangene Woche einen Milliardenverlust verbucht. Beim saudiarabischen Chemieriesen Sabic war der Gewinn im abgelaufenen Jahresviertel um 23 Prozent eingebrochen.

Bei Dow Chemical schrumpfte im dritten Quartal der bereinigte Gewinn je Aktie auf 42 Cent - vor einem Jahr waren es noch 62 Cent. Analysten hatten zuletzt mit 37 Cent vor Sondereinflüssen gerechnet. Der Konzern setzte 13,6 Milliarden Dollar um, zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besonders stark fiel der Umsatzeinbruch in Europa ins Gewicht.

Insgesamt schrumpften die Erlöse im klassischen Chemiegeschäft zum Teil deutlich. Ein Lichtblick blieb das Agrochemiegeschäft. Hier profitierte Dow von der Bereitschaft der Landwirte, wegen hoher Preise für Agrarerzeugnisse mehr in ertragssteigernde Pflanzenschutzmittel zu investieren. Vor allem in Nord- und Lateinamerika liefen die Geschäfte rund.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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