US-Experte wird Audi-Vertriebschef
Porsche baut Einfluss im VW-Konzern aus

Der VW-Großaktionär Porsche baut seine Machtposition im Wolfsburger Autokonzern aus. Der Sportwagenbauer schickt den 48-jährigen Manager Peter Schwarzenbauer als Vertriebschef zur VW-Tochter Audi. Der US-Experte soll die Ingolstädter in den Vereinigten Staaten voranbringen – und eine drastische Steigerung der Verkaufszahlen ermöglichen.

MÜNCHEN/FRANKFURT. Nach Informationen aus Konzernkreisen wird der Audi-Aufsichtsrat am Freitag den Porsche-Manager Peter Schwarzenbauer als Nachfolger von Ralph Weyler zum neuen Vertriebsvorstand der VW-Tochter Audi berufen. Erstmals seit dem Einstieg von Porsche bei VW wechselt damit ein Manager des Sportwagenbauers zu dem Wolfsburger Konzern. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking nimmt damit zum ersten Mal sichtbar Einfluss auf die Personalpolitik des VW-Konzerns. Sprecher von Porsche und Audi bestätigten den Personalwechsel gestern offiziell nicht. In Branchenkreisen hieß es, dass noch weitere Wiedeking-Vertraute auf wichtige Positionen im VW-Konzern rücken dürften.

Porsche ist vor drei Jahren bei Volkswagen eingestiegen und hatte seine Beteiligung schrittweise auf 31 Prozent erhöht. Seitdem der Luxemburger Gerichtshof EuGH im Oktober 2007 das VW-Gesetz gekippt hat, kann Porsche seine Stimmrechte von 31 Prozent voll ausüben. Der Sportwagenbauer ist damit einflussreichster VW-Aktionär vor dem Land Niedersachsen, das 20 Prozent der Anteile hält. Experten erwarten, dass Porsche in absehbarer Zeit nach der Mehrheit in Wolfsburg greifen wird.

Mit der Berufung des 48-jährigen Bayern Schwarzenbauer stärkt Wiedeking nun sein Netzwerk im VW-Konzern. Schwarzenbauer leitete bisher das Nordamerika-Geschäft von Porsche. Als neuer Audi-Vertriebsvorstand löst er Weyler ab, dessen Vertrag im September diesen Jahres ausläuft. Weyler wurde intern die zähe Entwicklung des US-Geschäfts von Audi angelastet.

Die Berufung des US-Experten Schwarzenbauer ist ein weiteres Signal dafür, dass Audi das Engagement in den USA ausbauen will. VW-Chef Martin Winterkorn hat der Tochter bereits ehrgeizige Ziele ins Pflichtenheft geschrieben. So sieht Winterkorns Strategieplan für Audi in den USA eine drastische Steigerung der Verkaufszahlen von 93 506 im vergangenen Jahr auf 200 000 Autos bis zum Jahr 2018 vor. Noch schneiden die Ingolstädter in den Vereinigten Staaten deutlich schlechter ab als BMW und Mercedes-Benz. Die beiden deutschen Konkurrenten setzten jeweils deutlich mehr als 250 000 Autos ab.

Audi leidet immer noch an den Einbrüchen im US-Geschäft zu Beginn der neunziger Jahre. Eine Serie von Unfällen mit Automatikschaltungen brachte die Verkäufe in den USA fast zum Erliegen. Jetzt proben die Ingolstädter den Neustart und wollen ihr Händlernetz in den wichtigsten US-Metropolen neu positionieren.

Audi hinkt den beiden Rivalen im Premiumsegment auch weltweit deutlich hinterher. Während BMW im vergangenen Jahr gut 1,4 Mill. und Mercedes 1,28 Mill. Fahrzeuge verkaufte, schrammte Audi noch an der Milliongrenze entlang. Doch die Ingolstädter holen auf und wollen auch in den nächsten Jahren weiter kräftig wachsen. Bis 2015 sollen die Verkaufszahlen auf rund 1,5 Mill. Fahrzeuge klettern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%