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09.01.2009 
Insolventer Chemiekonzern

US-Gericht genehmigt Atempause für Lyondell

von Siegfried Hofmann

Der insolvente Chemiekonzern Lyondell-Basell hat einen ersten wichtigen Schritt für eine Restrukturierung unter dem Schutz des US-Konkursrechts bewältigt. Das zuständige New Yorker Konkursgericht genehmigte eine Zwischenfinanzierung von rund zwei Milliarden Dollar, mit deren Hilfe der Konzern sein Geschäft weiterführen will.

FRANKFURT. Insgesamt hat sich Lyondell-Basell nach eigenen Angaben bis zu acht Mrd. Dollar für eine so genannte "deptor-in-possession (DIP)"-Finanzierung gesichert, darunter 3,2 Mrd. Dollar an frischen Mitteln und 750 Mio. Dollar vom Eigentümer Access Industries. Die vom russischstämmigen Unternehmers Len Blavatnik kontrollierte Gruppe will sich damit offenbar Chancen sichern, ihre Eigentümerposition bei dem Chemiekonzern trotz Insolvenz zu erhalten. "Access ist entschlossen, Lyondell-Basell zu helfen, die Herausforderungen der globalen Wirtschaftskrise zu bewältigen", sagte Blavatnik. Vermutlich um Ressourcen für die Lyondell-Basell-Rettung zu gewinnen, hat sich Blavatnik von seinem 19-prozentigen Anteil an Air Berlin getrennt. Seine Firmengruppe ist auch am Ölkonzern TNK-BP beteiligt.

Bei der DIP-Finanzierung für Lyondell-Basell handelt sich um eine Art Massekredit, mit dessen Hilfe der Geschäftsbetrieb während des Insolvenzverfahrens aufrecht erhalten werden soll. Er muss vom Gericht genehmigt und vorrangig vor allen anderen Forderungen zurückgezahlt werden. Ohne die DIP-Finanzierung hätte der drittgrößte Chemiekonzern der Welt innerhalb weniger Tage in Liquidation gehen müssen, wie Finanzchef Alan Bigman laut "Bloomberg" bei einer Anhörung vor Gericht erläuterte. Das zeigt, wie rasant der Einbruch der Chemiekonjunktur die Cash-Reserven des hochverschuldeten Konzerns aufgezehrt hatte. Ende September verfügte der Konzern noch über knapp 1,5 Mrd. Dollar liquide Mittel, bei rund 26 Mrd. Dollar Finanzschulden.

Nachdem Verhandlungen über eine außergerichtliche Restrukturierung der Schulden erfolglos waren, stellte Lyondell-Basell am Dienstagabend Insolvenzantrag für die gesamten US-Aktivitäten mit zusammen mehr als 19 Mrd. Dollar Schulden. Die europäischen Einheiten, darunter die deutsche Basell Polyolefine GmbH mit rund 2 600 Mitarbeitern, will der Konzern dagegen unter regulären Bedingungen weiterführen.

Ungeachtet der erfolgreichen Zwischenfinanzierung müssen die bisherigen Geldgeber des Chemiekonzerns nach Erwartung der Ratingagentur Standard & Poor?s mit empfindlichen Einbußen rechnen. Betroffen davon dürften vor allem Inhaber von zweitrangigen und unbesicherten Titeln sein, deren Volumen sich auf fast zehn Mrd. Dollar addiert.

Als einer der größten Gläubiger wird der US-Finanzinvestor Apollo gehandelt, der laut "Bloomberg" mehr als zwei Mrd. Dollar an Forderungen von der Citigroup übernommen hatte. Auch andere Banken wie Goldmann, UBS, Merrill Lynch und ABN, die den Chemieriesen 2007 im großen Stile finanzierten, haben ihre Titel inzwischen offenbar an eine Vielzahl von Investoren weiterverkauft. Betroffen von der Pleite sind darüber hinaus Vorlieferanten von Lyondell, darunter der Ölkonzern Petroles, die Gasehersteller Linde, Air Products und Air Liquide und aufgrund einer Forderung aus einem Rechtstreit auch BASF.

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