Industrie

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US-Gericht weist Klage ab: Hochdeutsch zu können schützt Porsche vor Milliardenstrafe

Mit dem Versuch, Volkswagen komplett zu übernehmen, hatte Porsche 2008 für Furore gesorgt und damit Dutzende Hedegefonds gegen sich aufgebracht. Einer Strafe in den USA entkommt das Unternehmen – dafür ist es zu deutsch.

Mit dem bekannten Werbeslogan wirbt Baden-Württemberg für die Vorzüge des Standorts. Quelle: PR
Mit dem bekannten Werbeslogan wirbt Baden-Württemberg für die Vorzüge des Standorts. Quelle: PR

DüsseldorfEs waren die ganz großen der sogenannten Schattenbanken, die es von Porsche wissen wollten. Mit Milliardenklagen hatten Hedgefonds wie Greenlight Capital, Royal Capital und Viking Global den deutschen Sportwagenbauer vor US-Gerichten bombardiert. Die Investoren waren aufgebracht, da sie sich von Porsches Versuch, Volkswagen komplett zu übernehmen, überrumpelt sahen.

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Denn im Jahr 2008 hatten viele Anleger auf einen Kursverfall der VW-Aktie spekuliert. Doch als dann klar wurde, dass Porsche sich über spezielle Optionen bereits fast drei Viertel an Volkswagen gesichert hatte, platzten diese Wetten. Die „Shorties“ – wie Investoren genannt werden, die auf fallende Kurse setzen – verbrannten sich die Finger. Sie mussten Volkswagen-Aktien kaufen, um aus ihren Geschäften zu kommen. Sie waren gezwungen, tief in die Tasche greifen, da so viele Wetten auf den Kursverfall bestanden. Bis auf über 1000 Euro schnellte der Kurs einer VW-Aktie kurzzeitig in die Höhe.

Die Übernahmeschlacht von VW und Porsche

  • September 2005

    Porsche kündigt an, beim weitaus größeren VW-Konzern einsteigen zu wollen. Zunächst ist von rund 20 Prozent der Aktien die Rede, im Laufe des Jahres 2006 wird der Anteil aufgestockt. Porsche will Zugriff auf die Kasse von VW und die Entwicklungsleistungen bekommen.

  • August 2006

    Porsche-Chef Wendelin Wiedeking spricht sich dafür aus, das VW-Gesetz zu kippen. Dieses räumt Niedersachsen, das 20 Prozent der VW-Anteile besitzt, eine Sperrminorität ein. Bei den VW-Beschäftigten, die Porsches Einstieg zunächst begrüßt hatten, stößt Wiedeking auf Ablehnung.

  • April 2007

    Porsche überspringt bei VW die Hürde von 30 Prozent und legt ein Pflichtangebot vor, das auf wenig Resonanz stößt.

  • März 2008

    Der Porsche-Aufsichtsrat gibt grünes Licht, den VW-Anteil auf mehr als 50 Prozent aufzustocken und damit Europas größten Autobauer zu einer Tochter von Porsche zu machen. Die Absicht zur Beherrschung dementiert Porsche.

  • Mai 2008

    Nach jahrelangem Streit mit der EU bringt die Bundesregierung ein neues VW-Gesetz auf den Weg, das Einwände der EU ausräumen soll. Niedersachsen erhält jedoch weiter ein Vetorecht, zudem kann die Arbeitnehmerseite Entscheidungen über Werksstandorte blockieren. Der Streit dauert an.

  • Oktober 2008

    Der Paukenschlag: Porsche teilt mit, sich über Aktien und Optionen 74 Prozent der VW-Anteile gesichert zu haben. Ein Beherrschungsvertrag wird für 2009 angekündigt. Die VW-Aktie schießt auf mehr 1000 Euro hoch: Hedge-Fonds, die beim Handel mit geliehenen Aktien auf fallende Kurse gesetzt hatten, müssen die Papiere nun um jeden Preis zurückkaufen und setzen dabei mehrere Milliarden Euro in den Sand.

  • Januar 2009

    Mit 50,76 Prozent der Anteile hat Porsche die Mehrheit an VW. Den Kauf dieser Anteile hat die Stuttgarter 23 Milliarden Euro gekostet.

  • April 2009

    Wegen seiner Schuldenlast muss Porsche um die VW-Übernahme bangen. Für die Nettoschulden von fast zehn Milliarden Euro werden hohe Zinsen fällig, die Autokrise sorgt für Druck.

  • Mai 2009

    Die Porsche-Eigentümerfamilien Piech und Porsche sind zerstritten, Porsche-Chef Wiedeking sucht mit dem Emirat Katar einen Verbündeten, der später tatsächlich Stammaktien übernimmt und frisches Geld zuschießt.

  • Juni 2009

    Porsche scheitert mit einem Antrag bei der Staatsbank KfW auf einen Kredit von 1,75 Milliarden Euro.

  • Juli 2009

    Nach einem 14-stündigen Verhandlungsmarathon in der Nacht zum 23. Juli setzt der Aufsichtsrat von Porsche Firmenboss Wiedeking und Finanzchef Holger Härter vor die Tür. Die Porsche Holding soll mit einer Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro am Leben erhalten werden, VW schießt mit der Übernahme von knapp der Hälfte des Fahrzeuggeschäfts frisches Geld zu. Ein Fusionsfahrplan wird ausgearbeitet: Bis Ende 2011 wollen beide Konzerne per Aktientausch mit einander verschmelzen.

  • September 2009

    Die Staatsanwaltschaft nimmt Ex-Porsche-Chef Wiedeking und Finanzchef Härter ins Visier: Sie sollen den Börsenhandel mit gezielten Falschinformationen manipuliert haben. Die Ermittlungen sind Anlass für zahlreiche Investoren in Deutschland und den USA, milliardenschwere Schadenersatzklagen gegen Porsche anzustrengen.

  • Dezember 2009

    VW erhöht das Kapital für die Übernahme von gut der Hälfte der Porsche AG. Die Vorzugsaktionäre laufen Sturm, können sich aber nicht durchsetzen. Porsche verliert damit die alleinige Kontrolle über das lukrative Fahrzeuggeschäft.

  • November 2010

    Porsche beschließt die bereits 2009 anvisierte Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro, um die Schulden zu reduzieren und damit eine Voraussetzung für Fusion mit VW zu schaffen, bei der mit einer Steuerlast von gut einer Milliarde Euro gerechnet wird.

  • September 2011

    VW begräbt die Fusionspläne, da den Wolfsburgern das finanzielle Risiko der vielen Schadenersatzklagen gegen die Porsche Holding zu hoch erscheint. Als Plan B verfolgen die Unternehmen nun die bereits 2009 verabredete Alternative, dass Porsche sich in eine Holding ohne operatives Geschäft umwandelt und die Fahrzeug-Entwicklung und Produktion ganz in die Hände von VW legt. Erstmals wäre diese Transaktion, die die Holding ebenfalls entschulden würde, ab Ende 2012 möglich. Allerdings drohen bis Mitte 2014 Steuerzahlungen.

  • November 2011

    VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch lotet Alternativen für einen Schulterschluss mit Porsche aus und sucht nach Möglichkeiten, die Steuerlast zu drücken.

  • Februar 2012

    Porsche-Großaktionär und VW-Aufsichtsrat Piëch hat einem Urteil des OLG Stuttgart zufolge bei den umstrittenen VW-Optionsgeschäften von Porsche gegen seine "Kardinalpflichten" als Mitglied des Aufsichtsrats des Autobauers verstoßen. Er habe sich keine Klarheit über die Risiken der Optionsgeschäfte verschafft und sei auch nicht gegen die milliardenschweren Geschäfte, die die Porsche Holding im Zuge der Finanzkrise 2009 an den Rand des Ruins brachten, eingeschritten.

  • März 2012

    VW-Finanzvorstand Pötsch dämpft die Erwartungen auf eine schnelle Integration mit Porsche. Die Experten steckten noch mitten in der Prüfung, wie sich ein Zusammenschluss schnell und günstig realisieren lasse. Garantiert steuerfrei wäre die Übernahme erst ab August 2014.

  • Juni 2012

    VW und Porsche entdecken ein Schlupfloch in der Besteuerung von Unternehmenszusammenschlüssen, durch das sie Porsche übernehmen können, ohne Steuern in Milliardenhöhe zu zahlen. Nun soll das Zusammengehen so schnell wie möglich realisiert werden. Porsche erringt vor Gericht einen Etappensieg gegen zwei auf millionenschweren Schadenersatz klagende Anteilseigner. Der Richter konstatiert "hohe Hürden" für den Vorwurf, Porsche habe die Anleger über die Absicht zur Beherrschung von VW im Jahr 2008 getäuscht.

  • Juli 2012

    VW und Porsche kündigen überraschend an, schon zum 1. August zusammenzugehen. Die Porsche Holding bekommt rund 4,5 Milliarden Euro und eine VW-Stammaktie, damit geht der fast Fiskus leer aus.

Vor einem amerikanischen Bundesgericht waren andere Kläger bereits Ende 2010 mit der Forderung nach Schadenersatz von Porsche gescheitert. Eine weitere Klage hatten Hedgefonds vor bundesstaatlichen Gerichten in New York eingereicht (Dokumente zum Fall) – und scheiterten jetzt auch dort. Die Begründung des Gerichts: Porsche und Volkswagen sind zu deutsch. Und die Hedgefonds seien keine wirklichen New Yorker.

Die Abweisung der Milliardenklage hat Porsche-Aktien am Freitag nach oben getrieben. Die Titel des in keinem großen Index gelisteten Sportwagenbauers schossen um bis zu 7,4 Prozent auf 62,37 Euro

Wegweiser durchs Klagedickicht bei Porsche/VW

  • Landgericht Braunschweig

    Dort hingen fünf Klagen von Anlegern an, von denen das Gericht inzwischen zwei zugunsten von Porsche abgewiesen hat. Sie richteten sich gegen die Porsche-Holding PSE. Die übrigen drei Verfahren, bei denen die Klagesumme mehrere Milliarden Euro beträgt und zum Teil auch die Volkswagen AG betroffen ist, sollten 2013 verhandelt werden.

    Eine Klage verwies das Landgericht im Juni 2013 an das Kartellgericht in Hannover, da die Kläger argumentiert hatten, Porsche habe mit einer Bank ein Kartell gebildet, um den Markt für die VW-Stammaktien zu kontrollieren.

    Wie im Oktober 2012 bekannt wurde, kam zwischenzeitlich noch eine Klage auf 213 Millionen Euro Schadenersatz hinzu. In diesem Fall haben Anwälte zunächst Zeit für Stellungnahmen.

  • USA

    Die milliardenschweren Forderungen von Fondsgesellschaften in den Vereinigten Staaten laufen in zwei getrennten Fällen. Auf bundesstaatlicher Ebene wurde darum gerungen, ob US-Gerichte überhaupt zuständig sind. Dabei hatte die PSE in erster Instanz gewonnen. Die Gegenseite hatte Berufung eingelegt – im März 2013 zogen einige Kläger die Berufung zurück. Auch vor einem New Yorker Gericht standen Fragen der Zuständigkeit im Mittelpunkt, dort hatte die Porsche-Dachgesellschaft zwar in erster Instanz eine Niederlage erlitten, in zweiter Instanz wurde die Klage allerdings abgewiesen.

  • Stuttgart 1

    Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen frühere Porsche-Manager, darunter Ex-Vorstandschef Wendelin Wiedeking und Finanzchef Holger Härter. Es ging um Kreditbetrug, Untreue und Marktmanipulation. Am Ende mussten sich wegen Kreditbetruges Härter und zwei seiner damaligen Führungskräfte verantworten. Härter wurde Anfang Juni 2013 zu einer Strafe in Höhe von 630.000 Euro verurteilt, kündigte aber Revision an.

    Die Staatsanwaltschaft erhob gegen Wiedeking und Härter Mitte Dezember 2012 Anklage wegen Aktienkursmanipulation. Zuletzt wurde bekannt, dass die Behörde auch gegen Aufsichtsräte ermittelt.

  • Stuttgart 2

    Das Oberlandesgericht (OLG) entschied Ende Februar, dass VW-Patriarch Ferdinand Piëch seine Pflichten als Aufsichtsrat der PSE während der Übernahmeschlacht beider Unternehmen verletzte. Das OLG erklärte daher die Entlastung des Kontrollgremiums für das Geschäftsjahr 2008/2009 für nichtig.

In der Werbung Baden-Württembergs heißt es: „Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ Doch Porsche schützte in New York das Beherrschen der deutschen Sprache vor einer möglichen Milliardenstrafe. Insgesamt hatten die Hedgefonds einen Schaden von 1,4 Milliarden Dollar (1,06 Milliarden Euro) geltend gemacht. Zwar ist noch eine Berufung möglich – und auch in Deutschland sind Klagen der Investoren anhängig. Ein wichtiger Etappensieg ist dem Sportwagenbauer aus Baden-Württemberg aber offensichtlich geglückt. Robert Giuffra, ein Anwalt für Porsche, sprach von einem „wichtigen Sieg“.

  • 29.12.2012, 00:36 UhrFerdinand

    Hauptsache, keiner regt sich über die total verfehlte Zeile und Bebilderung auf... wir können alles, außer Nachrichten.

  • 28.12.2012, 20:44 Uhrrellingen66

    Hat sich von Euch Steckrüben mal jemand Gedanken darüber gemacht, dass die Börse in ihrer heutigen Form völlig überholt ist? Vor 100 Jahren war sie sinnvoll, aber heute, in Zeiten des Internets und des Onlinehandels ist sie hauptsächlich Schuld am Untergang des freien Handels und der freien Unternehmungen.
    Die Börse hat einfach nicht den Geist der Zeit verstanden und wird entweder in ihrer Sturheit oder im Aufruhr der Massen untergehen. So, oder so!

  • 28.12.2012, 15:42 UhrRDA

    Verstehe ich das richtig? Die Hedgefonds sind zwecks Steuern und Intransparenz in Steueroasen registriert, möchten aber gern den Rechtsschutz des Staates New York genießen? Die New Yorker Richter haben richtig gehandelt: Wer in New York zum Rosinenpicken aufschlägt, soll gefälligst wieder gehen. Sollen die Hedgefonds doch auf Guensey oder in ihren sonstigen dubiosen Standorten klagen!

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