US-Geschäft und neue Produkte verhelfen Berliner Konzern zu Gewinnsprung
Schering peilt mit Antibabypille Yasmin die Umsatzmilliarde an

Der mit der Antibabypille groß gewordene Pharmakonzern Schering feiert auf vertrautem Terrain Erfolge. Steigende Umsätze des neuen Verhütungsmittels Yasmin verhalfen dem Konzern im Quartal zu einem Gewinnsprung von 28 Prozent. Da zudem die Steuerlast sinkt, hob das Management seine Gewinnprognose für 2004 von 2,26 auf 2,35 Euro je Aktie an.

HB BERLIN. Seinem Ziel, die operative Rendite bis Ende 2006 auf 18 Prozent zu steigern, kommt Vorstandschef Hubertus Erlen dabei näher. In den ersten neun Monaten stieg das Betriebsergebnis um zehn Prozent auf 595 Mill. Euro, obwohl der Umsatz nur um drei Prozent auf rund 3,64 Mrd. Euro zulegte. Das entspricht einer Marge von etwa 16 Prozent.

Als Hauptgrund für die verbesserten Margen nannte der Schering-Chef den verbesserten Produktmix. In den vergangenen Monaten sei der Umsatzanteil neuer Medikamente mit hohen Gewinnspannen gestiegen. Außerordentlich gut habe sich vor allem die neue Antibabypille Yasmin entwickelt, die inzwischen weltweit von mehr als einer Million Frauen geschluckt werde.

In einigen Ländern, darunter Italien, habe das Präparat bereits einen Marktanteil von über 20 Prozent erobert, teilte Schering mit. Unter dem Strich setzte das Präparat den Angaben zufolge in den ersten neun Monaten bereits 316 Mill. Euro um. Daher sei zu erwarten, dass der Produktumsatz am Jahresende über den bislang erwarteten 400 Mill. Euro liege.

Doch Erlen hat mit Yasmin noch mehr vor. Durch die Entwicklung einer niedriger dosierten Variante sei es möglich, das Anwendungsgebiet noch zu erweitern und zum Beispiel Akne oder hormonell bedingte Depressionen mit Yasmin zu behandeln.

Alles in allem habe Yasmin das Zeug zum Blockbuster, sagte der Vorstandschef. So werden in der US-Pharmabranche Medikamente genannt, mit denen sich mehr als eine Mrd. umsetzen lassen. „Auf Dollarbasis ist das ein plausibles Ziel“, sagte Peter Spengler, der als Analyst der DZ Bank den Pharmasektor beobachtet.

Schering könnte einen neuen Kassenschlager gut gebrauchen, denn das Wachstum mit seinem umsatzstärksten Medikament verlangsamt sich. Zwar verzeichnete das gegen Autoimmunkrankheiten wie Multiple Sklerose eingesetzte Betaferon noch immer steigende Umsätze. Die Zeit der zweistelligen Wachstumsraten auf dem Markt für Interferone sei aber offenbar abgelaufen, räumte das Management ein.

In den ersten neun Monaten behauptete Betaferon mit einem Umsatz von 578 Mill. Euro zwar seine Stellung als Scherings wichtigster Umsatzträger. Das Wachstum lag jedoch nur bei drei Prozent. Die Konkurrenz wird sich nach Einschätzung von Branchenbeobachtern noch verschärfen, wenn neben dem vertriebsstarken Schweizer Wettbewerber Serono auch noch der britische Biotechkonzern Biogen Idec auf den Markt drängt.

Der Schering-Chef bremste die Erwartungen für das Schlussquartal. Das laufende Restrukturierungsprogramm werde zunächst einmal vor allem Kosten verursachen, sagte er. Bislang haben den Angaben zufolge im Zuge der Restrukturierung etwa 600 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen. Insgesamt will der Konzern weltweit 2 000 Stellen streichen.

„Wir führen aber kein reines Sparprogramm durch, sondern wollen in neues Wachstum investieren“, sagte Erlen. Gelegentlich führe das Management Gespräche über mögliche Übernahmen, doch gute Gelegenheiten seien rar gesät. Daher legt Schering das Geld derzeit offenbar lieber auf die Seite. Einem Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit in Höhe von 546 Mill. Euro stand ein Abfluss in Investitionen von 265 Mill. Euro gegenüber. Die Finanzierungstätigkeit erhöhte sich dagegen um 115 Mill. Euro auf 395 Mill. Euro, was Schering mit dem Rückkauf von vier Mill. eigenen Aktien und der Tilgung von Finanzverbindlichkeiten erklärte.

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