US-Getränkegigant will Verträge mit Abfüllern kappen
Coca-Cola droht deutschen Abfüllern

Coca-Cola-Europachef Sandy Allan droht den freien Lizenznehmern in Deutschland damit, die bestehenden Verträge auslaufen zu lassen und nicht zu verlängern.

DÜSSELDORF. Mit teils drastischen Worten hat Coca-Cola-Europachef Sandy Allan damit gedroht, die Beziehungen des US-Getränkegiganten zu seinen deutschen Konzessionären zu kappen. Nach Auslaufen der letzten Lizenzen in etwa vier Jahren sollen demnach die nicht konzerngebundenen Abfüller von Coca-Cola-Getränken in Deutschland keine Verträge mehr in der bisherigen Form erhalten. Dies erfuhr das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen.

Insgesamt acht freie Konzessionäre sind bisher für rund ein Drittel des Deutschland-Geschäftes von Coca-Cola verantwortlich. Zum Kreis der Lizenznehmer gehören neben mittelständischen Abfüllbetrieben auch Töchter großer Brauereien wie Interbrew Deutschland sowie die saarländische Karlsberg- Gruppe.

Zwei Drittel des Konzernumsatzes von insgesamt drei Mrd. Euro in Deutschland liegt in den Händen der Berliner CCE AG, die das Coca-Cola-Geschäft in Ost- und Süddeutschland kontrolliert. An der CCE AG hält neben dem US-Konzern (41 Prozent) die Münchner Schörghuber-Gruppe (28,5 Prozent) den größten Anteil.

Gegenstand der bereits drei Jahre dauernden Gespräche mit den Konzessionären ist die Zusammenlegung von Gebieten, durch die das defizitäre Deutschland-Geschäft effektiver werden und aus den roten Zahlen kommen soll. Die Konzernzentrale in Atlanta/USA ist schon seit langem mit den deutschen Ergebnissen unzufrieden.

Die deutsche Konzernzentrale in Berlin bestätigte gestern, dass die freien deutschen Konzessionäre am vergangenen Freitag zu einem Treffen mit Coca-Cola-Führungskräften in die Berliner Zentrale zitiert worden waren. Während die Deutschlandzentrale in einer kurzen Stellungnahme auf weitere Einzelgespräche mit den Konzessionären hinweist, soll nach Handelsblatt-Informationen das Tischtuch zwischen dem mächtigsten Getränkekonzern der Welt und seinen deutschen Partnern fast vollständig zerschnitten sein. Die mögliche Trennung soll die Handschrift des neuen Konzernchefs Neville Isdell tragen, der seit Anfang Juni im Amt ist. Aus Konzernkreisen war zu hören, dass die freien deutschen Konzessionäre bei den Verhandlungen um einen finanziellen Ausgleich für die Neuordnung des Geschäftes offenbar zu hoch gepokert hätten. Die betroffenen Lizenznehmer sind dagegen laut Bernd Nellesen, Geschäftsführer der Mannheimer HM Interdrink-Gruppe, immer noch optimistisch, dass sich in den anstehenden Einzelgesprächen die Lage wieder entschärfen werde.

Künftig frei werdende Konzessionen sollen aber nach Handelsblatt- Informationen zunächst von der Berliner CCE AG übernommen werden. In Branchenkreisen wird auch über den Einstieg des größten Coca-Cola-Abfüllers außerhalb der USA, der Hellenic Bottling Company (HBC), in den deutschen Markt spekuliert.

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