US-Gewerkschaft UAW
Die Unbelehrbaren aus Detroit

Die Scheidung von Daimler und Chrysler weckt den Widerstand der US-Gewerkschaft UAW: Daimler-Boss Dieter Zetsche droht in den kommenden Monaten so manches Gefecht mit Gewerkschaftschef Gettelfinger. Dabei hat die UAW dem Konzern viele seiner Probleme überhaupt erst eingebrockt.

NEW YORK/PORTLAND. Als sich Ron Gettelfinger die Manager vorknöpft, toben die 1 500 Delegierten in der Halle: „Wenn sie uns die Verträge aufkündigen, werden wir die Firma stilllegen“, droht der Mann mit dem grauen Schnauzer. Gemeint sind die Chefs des insolventen US-Autozulieferers Delphi. Sie und die beteiligten Finanzinvestoren mit Cerberus an der Spitze vergleicht der Präsident der Gewerkschaft United Auto Workers mit einem „Sauhaufen, der vor einem Trog voller Geld steht und nicht genug kriegen kann“.

Gettelfinger ist in Fahrt, und es ist an diesem 27. März erst der Auftakt zum zweitägigen Gewerkschaftskongress in Detroit. Draußen vor dem schmucklosen Cobo Center führen Flugblätter den Klassenkampf von drinnen fort: „No more concessions!“ lautet die Parole der Demonstranten – keine Zugeständnisse mehr.

Für die UAW sind die Fronten seit jeher eindeutig: Manager und Investoren sind natürliche Feinde von hart arbeitenden Autobauern. Das könnte auch Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche bald zu spüren bekommen, wenn er versucht, die US-Tochter Chrysler zu verkaufen. Am Dienstag wurden Gettelfinger, der auch im Daimler-Chrysler-Aufsichtsrat sitzt, und Kollegen in Stuttgart vorstellig.

Allerdings steht die Hartleibigkeit der US-Gewerkschafter auch auf moralisch wackligem Grund, waren sie es doch, die über Jahrzehnte durch ihre Forderungen viele der Probleme schufen, die Konzerne wie Chrysler, Ford, General Motors oder Delphi zu Sanierungsfällen werden ließen.

Der UAW fällt es schwer, Privilegien der Vergangenheit an die Gegenwart anzupassen. Beispiel Delphi: Zwar hat sie akzeptiert, dass neue Eigner künftig Mitarbeiter zu einem Stundenlohn von 14 Dollar einstellen können. Insgesamt müsste Delphi dann mit Kosten von 25 Dollar pro Stunde rechnen. Als Gegenleistung fordert die UAW aber bis 2011 eine Erhöhung auf 42 Dollar pro Stunde – ausgerechnet dann, wenn Investoren eine schlanke Organisation vorzeigen und mit Gewinn weiterverkaufen wollen. Doch die UAW bleibt eisern. Schließlich stehen ihre Mitglieder bei Delphi bisher mit etwa 70 Dollar pro Stunde zu Buche.

Seite 1:

Die Unbelehrbaren aus Detroit

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%