US-Haushaltsnöte
Boeing fürchtet den Sparhammer

Die Probleme mit dem Pannenflieger „Dreamliner“ scheint Boeing überstanden zu haben. Doch jetzt droht der Sparkurs der Regierung dem Flugzeug- und Rüstungskonzern das Geschäft zu verhageln.
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New YorkEs ist ein kleiner, feuerfester Stahlkasten – und er muss den Ruf eines ganzen Konzerns retten. Um die Bord-Batterien herumgebaut, soll er künftig verhindern, dass es im neuen Prestige-Flieger „Dreamliner“ des US-Flugzeugbauers Boeing zur Katastrophe kommt. Oder zur Beinahe-Katastrophe. Wie im Januar, als an Bord zweier Maschinen die Akkus schmorten oder Feuer fingen. Nach den Vorfällen hatten die Behörden der gesamten Flotte Startverbot erteilt. Es war ein Image-Desaster sondergleichen.

Dank des neuen Stahlkastens aber, der in jeden „Dreamliner“ eingebaut werden soll, haben das US-Luftfahrtamt FAA und die europäische Easa den Bann inzwischen aufgehoben. Rechtzeitig zur Vorlage der Zahlen aus dem ersten Quartal, die Firmenchef Jim McNerney am heutigen Mittwoch bekannt gegeben hat.

Die gute Nachricht für Investoren: Trotz der in der Zivilluftfahrt einzigartigen Sperre ist Boeing mit einem Gewinnplus ins neue Jahr gestartet. Weil der Hersteller mehr Flugzeuge der Modelle 777 und 737 auslieferte, konnte er die Ausfälle der 787 nahezu wettmachen. Der Umsatz fiel zwar um drei Prozent auf 18,9 Milliarden Dollar, der Gewinn stieg aber um 5,3 Prozent auf 1,87 Milliarden Dollar. Gleichzeitig bekräftige Boeing den Ausblick fürs laufende Jahr.

Die Folgen des „Dreamliner“-Desasters sind aber noch nicht klar. Zwar sind die Kunden dem Konzern in den vergangenen Monaten treu geblieben. Doch nach wie vor drohen Forderungen nach Schadenersatz, so dass noch nicht klar ist, wie viel Geld der Bann und die Überholung der Maschinen den Airbus-Konkurrenten nun kosten könnte. Und noch immer ist die Brandursache nicht gefunden.

Doch die „Dreamliner“-Pannen sind nicht Boeings einziges Problem. Das andere lauert in Washington: Angesichts gigantischer Schulden muss die Regierung sparen. Das betrifft auch das Verteidigungsministerium – für das Boeing nach Lockheed Martin der zweitwichtigste Zulieferer ist, mit Aufträgen im Wert von 28,7 Milliarden Dollar.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Pentagon die Ausgaben zurückgefahren, doch in diesem Jahr wird es noch härter: Gemäß der Zwangs-Sparmaßnahmen, Sequester genannt, die am 1. März in Kraft getreten sind, muss Verteidigungsminister Chuck Hagel über die kommenden zehn Jahre knapp 500 Milliarden Dollar zusammenstreichen.

US-Präsident Barack Obama hatte zuletzt zwar einen Haushalt vorgeschlagen, der die Kürzungen beim Militär verschieben und abmildern soll. Doch das ändert nichts am neuen Wind, der in Washington weht: Alle müssen sparen.

Auf Rüstungsfirmen wie Boeing „wird sich das sicher auswirken“, sagte Branchenanalyst Byron Callan von Capital Alpha Partners in Washington der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. „Aber es wird sich erst über eine längere Zeit zeigen.“ Verträge mit der Regierung sind schließlich auf Jahre angelegt.

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