US-Industrie
Kostenschock in den USA

Finanzexperten haben die Auswirkungen stetig steigender Rohstoffkosten auf weite Teile der US-Industrie unterschätzt. Doch in Kombination mit der Kreditkrise sorgen die auf Rekordniveau verweilenden Benzinpreise für radikale Prognoseänderungen. Betroffen ist vor allem die Automobil- und Luftfahrtindustrie.

NEW YORK. Amerikas Autofahrer fürchten eine neue Zahl vor dem Komma: Nach einer weiteren Serie von Ölpreissteigerungen droht an zahlreichen US-Tankstellen bald der Sprung über die Vier-Dollar-Marke pro Gallone Benzin (3,79 Liter). Das ist umgerechnet zwar noch deutlich günstiger als etwa in Deutschland, für viele Amerikaner aber schockierend genug, um den Markt für schwere Geländewagen und Pickup-Laster in die Knie zu zwingen. Das spritschluckende Auto-Segment bildet seit Jahren das Rückgrat der US-Hersteller General Motors (GM), Ford und Chrysler.

In Kombination mit der Kreditkrise und fallenden Immobilienpreisen sorgen unablässig steigende Benzinkosten für einen Markteinbruch, wie ihn der größte Automarkt der Welt seit einem Jahrzehnt nicht gesehen hat. "Das Worst-Case-Szenario für 2008 wird schnell Realität", schreibt die "Detroit News", Heimatzeitung der drei großen US-Autokonzerne. Ein schwacher Trost für die so genannten "Big Three", die seit Jahren vergebens gegen Milliardenverluste ankämpfen: Anderen Vertretern der Verkehrsindustrie geht es bei einem Ölpreis deutlich jenseits der 100-Dollar-Marke kaum besser.

Die Auswirkungen steigender Rohstoffkosten auf weite Teile der US-Industrie haben Finanzexperten bisher unterschätzt. Umso radikaler fallen nun die Prognoseänderungen aus, insbesondere in der krisenanfälligen Luftfahrtindustrie. JP Morgan überraschte in der Vorwoche mit einer Studie, nach der US-Fluggesellschaften im laufenden Jahr wieder bis zu neun Mrd. Dollar Verlust auftürmen könnten.

Selbst im besten Szenario, das eine sanfte Landung der US-Konjunktur voraussetzt, müsse die Industrie mit einem Minus vier Mrd. Dollar rechnen. "Eine Kombination aus Rezession und hohen Ölpreisen" sei in den bisherigen Prognosen bisher nicht berücksichtigt, schrieb Analyst Jamie Baker zur Begründung. Nach Angaben des Branchenverbands Air Transport Association mussten US-Fluggesellschaften im Januar 2008 durchschnittlich 2,62 Dollar pro Gallone Kerosin bezahlen, das sind 42,3 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Weil die Preissicherungen nahezu aller US-Fluggesellschaften 2008 ausgelaufen sind, droht der Branche damit ein neuer Kostenschock, der einige Unternehmen in der Existenz bedrohen könnte. Als Folge der schweren Luftfahrtkrise 2001 waren bereits US Airways sowie United, Delta und Northwest Airlines unter den Gläubigerschutz des US-Konkursrechts (Chapter 11) geflüchtet.

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