US-Investor Wyser-Pratte deutet Kompromissbereitschaft an
Friedenssignale vor IWKA-Hauptversammlung

Das Aktionärstreffen der IWKA am Mittwoch in der Karlsruher Stadthalle markiert eine Zäsur in der Geschichte des Maschinen- und Anlagenbauers. Erstmals treffen sich die Anteilseigner zu einer außerordentlichen Hauptversammlung, denn erstmals sind die Vertreter der Kapitalseite geschlossen zurückgetreten und es steht ihre außerplanmäßige Neuwahl an.

STUTTGART/DÜSSELDORF. Grund ist die seit dem Einstieg des US-Investors Guy Wyser-Pratte vor zwei Jahren ständig gewachsene Kritik an dem Kurs des unübersichtlichen Konglomerats aus rund 90 Unternehmen mit einem Umsatz von rund 2,3 Mrd. Euro. Der für seine kompromisslose Art und medienwirksamen Auftritte bekannte ehemalige Offizier der US-Marines fordert, IWKA auf die Robotersparte um die Augsburger Kuka zu konzentrieren. „Die Roboterfirma ist ein Juwel und könnte die Nummer eins in der Welt werden“, begründet Wyser-Pratte seine Kritik.

Der US-Investor stellt zusammen mit Fonds aus Großbritannien und den USA über 30 Prozent der Stimmen. Auf der Hauptversammlung vor einem Jahr scheiterte er noch knapp mit seinem Antrag, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Doch dieses Jahr im Juni schaffte er es. Die Folge: Hans Fahr trat noch vor Beginn der Hauptversammlung zurück und wurde inzwischen durch den als Sanierer bekannten Wolfgang-Dietrich Hein ersetzt. Die Vertreter der Kapitalseite im Aufsichtsrat kündigten ihren Rückzug an und müssen neu gewählt werden.

Wyser-Pratte hat viel erreicht. Die margenschwache Prozesstechnik ist fast ganz verkauft, Problemkinder wie Boehringer Werkzeugmaschinen und Ex-Cell-O werden nicht mehr langwierig saniert, sondern stehen auf der Verkaufsliste.

Neuerdings sendet der streitbare US-Investor Friedenssignale. Meldungen, dass er die IWKA zerschlagen und alle Bereiche verkaufen wolle, dementierte er energisch. Auch die zur Wahl stehenden Kandidaten für den Aufsichtsrat finden seine Zustimmung. Reiner Beutel, Finanzvorstand des Autozulieferers Schefenacker, hat er selbst ausgesucht.

Deshalb erwarten Beobachter einen ruhigen Verlauf der Hauptversammlung. „Wyser-Pratte hat seine ursprünglichen Ziele reduziert“, sagt Richard Schramm von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Auch Mirko Geiger, stellvertretender Aufsichtsrats-Vorsitzender und Bevollmächtigter der IG Metall, rechnet mit einem unspektakulären Verlauf. Der neue IWKA-Chef Hein dürfte weniger in der Kritik stehen als sein Vorgänger Fahr. „Der Vorstand dürfte mit seinen vertrauensbildenden Maßnahmen Erfolg gehabt haben“, sagt Walter Prues, Vorsitzender des Konzernbetriebsrates. Und nennt als Beispiel: „Die Verpackungstechnik bleibt im Unternehmen.“

Wyser-Pratte scheint eingesehen zu haben, dass die Konzentration auf die Robotersparte Risiken birgt. „Der Roboterbereich ist sehr zyklisch, das zeigt sich durch die Nachfrageschwankungen der Autoindustrie“, warnen Analysten. Die Roboter sind im ersten Halbjahr in die roten Zahlen gerutscht, während die Verpackungstechnik ihren Gewinn gesteigert hat. Das erste öffentliche Auftreten von Hein auf der Hauptversammlung wird zeigen, welchen Kurs IWKA künftig einschlägt. Denn in der Branche stößt das Hickhack um die Strategie auf Unverständnis. „Das ist schon ein Trauerspiel“, sagt der Chef eines großen Autozulieferers aus Baden-Württemberg.

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