US-Konzern kauft Bereich Microsystems
Neuer Leica-Besitzer bekennt sich zur Traditionsmarke

Sieben Jahre nachdem sich der Optikspezialist Leica in drei voneinander unabhängige Firmen gespalten hat, stehen alle drei vor einem Wendepunkt in ihrer Geschichte.

ZÜRICH. Leica Camera aus Wetzlar steckt in einer Krise. Das Unternehmen hatte den Einstieg in die Digitalfotographie verschlafen, im vergangenen Jahr tief rote Zahlen geschrieben und versucht nun nach einer Kapitalerhöhung wieder Fuß zu fassen.

Leica Geosystems aus dem schweizerischen Heerbrugg schlägt sich derzeit mit einem eher unfreundlichen Übernahmeversuch herum: Der schwedische Hexagon-Konzern hat umgerechnet knapp 700 Mill. Euro geboten um die Schweizer Vermessungsfirma zu kaufen. Viel zu wenig, glauben die Schweizer, die außerdem nicht wieder in einen Misckonzern integriert werden wolle. Sie haben daher bereits Abwehrmaßnahmen gegen die Offerte eingeleitet.

Der Dritte im Bunde der Leica-Nachfolger ist die deutsche Leica Microsystems, die am Freitag ankündigte, den Besitzer zu wechseln: Der US-Konzern Danaher übernimmt den Mikroskophersteller, der ebenfalls im hessischen Wetzlar seinen Sitz hat. Damit dürfte zumindest die Zukunft dieses Leica-Nachfolgers vorerst gesichert sein, auch wenn die Kartellbehörden dem Vorhaben noch zustimmen müssen. Für Leica Microsystems geht mit der Übernahme eine siebenjährige Phase zu Ende, in der das Unternehmen den Finanzinvestoren der britischen Investmentgesellschaft Permira gehörte. Sie zahlte 1998 461 Mill. Euro für den Kauf.

Danaher lässt sich nun die Akquisition des deutschen Optik-Spezialisten 450 Mill. Euro kosten. Davon werden 210 Mill. Euro bar bezahlt, sagte Danaher-Chef Lawrence Culp dem Handelsblatt. Culp führt einen Konzern mit 37 000 Mitarbeitern. Sie sind in der Mess- und Industrietechnik tätig, fertigen Werkzeuge und Komponenten und haben im vergangenen Jahr einen Umsatz von 5,5 Mrd. Dollar erzielt. Elf Prozent davon stammten schon bisher aus Deutschland. Culp bezeichnet seine Neuerwerbung als „strategischen Zukauf“, was wiederum Leica-Microsystems-Chef Wolf-Otto Reuter besonders gerne hört: Er geht davon aus, dass die Amerikaner in Leica-Microsystems investieren werden. Die eigene Position werde man vor allem bei medizinischen und biotechnologischen Anwendungen weiter ausbauen können, glaubt Reuter.

Culp kündigt unterdessen an, Management, Mitarbeiter und auch die Marke Leica-Microsystems zu erhalten – unabhängig davon, ob die beiden anderen Leica-Marken derzeit für mehr oder weniger gute Schlagzeilen sorgen. „Wir bekennen uns zu Leica“, sagte Culp.

Leica Microsystems besitzt als Nachfolgerin der ehemaligen Leica-Dachgesellschaft die Rechte am Markennamen und hat sie den anderen beiden Firmen zur Verfügung gestellt. Falls der Name zu sehr in Mitleidenschaft gezogen werde, habe Leica-Microsystems die Möglichkeit einzugreifen, sagte Reuter dem Handelsblatt. Er hatte in den vergangenen Wochen darüber geklagt, dass die Schlagzeilen, die insbesondere Leica-Camera produzierte, nachteilige Auswirkungen auf das Geschäft des Mikroskopherstellers hatten. Kunden zweifelten an dessen wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und zogen Aufträge zurück. Die Firma sah sich gezwungen, klarzustellen, dass die finanzielle Schieflage von Leica Camera sie „in keiner Weise“ in Mitleidenschaft ziehe, dass Märkte und Kunden völlig verschieden seien und Leica Microsystems mit seinen 3 700 Mitarbeitern solide dastehe.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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