US-Konzern nutzt jede Gelegenheit, um den Rivalen Siemens zu ärgern
General Electric kämpft mit Windmühlen

Wenn Jeffrey Immelt von Wachstum redet, meint er für gewöhnlich keine Grashalme. Doch an diesem Mittwoch sitzt der Chef von General Electric locker auf einer breiten Ledercouch im Konferenzsaal des neuen GE-Forschungszentrums in Garching. Der Mann mit dem streng nach hinten gekämmtem grauen Kraushaar stellt die Umweltinitiative des Weltkonzerns vor. Nicht das erste Mal, aber das erste Mal in Europa.

GARCHING. Der groß gewachsene Chef des mit 380 Mrd. Dollar an der Börse wohl wertvollsten Unternehmens der Welt schlägt die Beine lässig übereinander. Er verschränkt die Hände vor dem Knie. Der 49-Jährige redet mit ruhiger aber klarer Stimme von Biomasse, erneuerbaren Energien und Nachhaltigkeit, als wäre er hier bei einem Symposium auf dem Weltumweltgipfel.

Und Immelt wäre nicht GE-Chef, würde er nicht gleich betonen, dass es ihm im wesentlichen um ökologisch bessere Produkte geht, mit denen sich auch mehr Geld verdienen lässt. Bis 2010 will GE den Umsatz mit Produkten, die Kunden einen bedeutenden und messbaren umwelttechnischen Vorteil bringen, auf 15 Mrd. Euro verdoppeln. Das wären immerhin zehn Prozent des jetzigen Gesamtumsatzes. Jährlich will er 1,25 Mrd. Euro in die Erforschung umweltfreundlicher Technik investieren.

Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass Unternehmen in der Energietechnik oder Triebwerkshersteller effizientere und damit weniger belastendere Technik entwickeln. „Technologie ist das, was alles ändert“, solche Sätze gehen Immelt leicht über die Lippen. Aber der GE-Chef ist ein viel besserer Verkäufer als Visionär.

Die Umwelt-Kampagne verschafft vor allem eines: Aufmerksamkeit vor der Haustüre des Rivalen Siemens. Da macht es auch nichts, dass er das Ganze schon einmal im Mai in den USA vorgestellt hat. GE und Siemens kämpfen um die gleichen Märkte. Wie die Amerikaner hat Siemens Wasseraufbereitung als Zukunftsthema entdeckt und Firmen zugekauft. „Natürlich ist Siemens die Vergleichsgröße“, sagt auch der scheidende Deutschland-Chef von GE, Thomas Limberger.

In den vergangenen Jahren hat GE Siemens in Deutschland kräftig geärgert und auf dem bislang von den Amerikanern vernachlässigten Markt aufgeholt. Vor einem Jahr wurde das Forschungszentrum in Garching mit viel öffentlichem Tamtam in Betrieb genommen. 60 Wissenschaftler arbeiten schon für die Amerikaner. Bis Mitte 2006 sollen es 150 werden. Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer soll „not amused“ gewesen sein, dass ausgerechnet GE potenzielle Siemensforscher direkt vor den Toren der Technischen Universität München abschöpft.

GEs Feldzug in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt Erfolg. In den vergangenen drei Jahren verdreifachte GE hier den Umsatz. Allein im letzten Jahr legten die Amerikaner noch einmal um 23 Prozent auf 8,9 Mrd. Euro zu. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs um 1 000 auf 13 600. „Das Potenzial für zehn Prozent Wachstum jährlich ist da“, versichert Limberger. Die Imagekampagne „Ecomagination“ flankiert von einer breiten Anzeigenkampagne, soll dem Umsatz weiter Flügel verleihen, so wie die Windenergie. In Garching drehen sich die Rotoren des Modells für eine Windkraftanlage unentwegt wie ein perpetuum mobile – die Windmühle im Foyer wird von einem Elektromotor angetrieben. Geht es um „buy american“ darf auch bei der Ökologie ein bisschen nachgeholfen werden.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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