Industrie

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US-Kosmetikmarke Revlon: Schönheit ist vergänglich

Jung, schön und erfolgreich: Als Claudia Schiffer in den 90er-Jahren für Revlon Modell stand, war die Welt bei dem Beauty-Unternehmen aus New York noch in bester Ordnung. Doch langsam aber sicher steuert die US-Kosmetikmarke ihrem Ende entgegen.

NEW YORK. Revlon überwies für einen Vier-Jahres-Vertrag sechs Mill. Dollar, machte das deutsche Model damit zum bestbezahlten der Welt und den US-Konzern schick für die Börse. 1997 war Revlon auf dem Parkett für kurze Zeit fast so attraktiv wie Schiffer: Der Kurs kletterte auf über 50 Dollar.

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Doch Schönheit ist vergänglich. Knapp zehn Jahre und einige Kapitalerhöhungen später ist die Revlon-Aktie auf dem Weg zum Pennystock: Kaum mehr als ein Dollar wird noch bezahlt für ein Unternehmen, das bei 1,3 Mrd. Dollar Umsatz zunehmend alt aussieht gegenüber den Beauty-Abteilungen von Konzernen wie etwa Procter & Gamble. Seit 1998 schreibt die US-Firma mit Marken wie Revlon und Almay ununterbrochen rote Zahlen. Alleine im zweiten Quartal des laufenden Jahres machte Revlon 87 Mill. Dollar Verlust – ein deprimierendes Ergebnis, das die ohnehin bereits am Boden liegende Aktie direkt nach Veröffentlichung um weitere 37 Prozent in den Keller schickte.

US-Milliardär Ronald O. Perelman, der über seine Investmentfirma Mac Andrews & Forbes seit Jahren 57 Prozent der Anteile an Revlon hält, blieb erneut nur die Notbremse: Der Chairman kippte Vorstandschef Jack Stahl aus dem Chefsessel und berief mit dem bisherigen Finanzvorstand David Kennedy den vierten CEO innerhalb von sechs Jahren. Analysten prophezeien dem 59-jährigen Manager eine schwere bis unlösbare Aufgabe: „Egal wer an der Spitze von Revlon steht: Die finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens sind zu begrenzt“, sagt Credit-Suisse-Analyst Filippe Goossens. Insider vermuten, dass Mehrheitseigner Perelman bald Geld nachschießen muss.

Erschwerend kommt hinzu, dass sich die jüngsten Initiativen aus New York als veritable Flops erwiesen: etwa die Wiederbelebung der Marke Almay oder der Launch einer neuen Beauty-Serie für Frauen jenseits der 50. Revlon hatte bereits im Juni einräumen müssen, dass die groß angelegte Markeneinführung namens „Vital Radiance“ mit mehr als 100 Kosmetikprodukten dramatisch die Erwartungen verfehlte. In der Vorwoche machte der neue Chef kurzen Prozess: Kaum zur Welt gebracht, verschwindet „Vital Radiance" wieder aus den Regalen. Kennedy hat ein neues Restrukturierungsprogramm ausgerufen. Unter anderem sollen 250 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, darunter der Marketingvorstand, die Kreativchefin sowie der Leiter des internationalen Geschäfts.

Analysten sind sich einig, dass ein strategischer Investor am ehesten helfen könnte, die 1932 gegründete Traditionsmarke Revlon noch einmal auf Kurs und den Aktienkurs wieder auf Trab zu bringen. Die Eigentümerstruktur mit Finanzier Perelman und seiner Stimmrechtsmehrheit hat einen solchen Deal bisher jedoch verhindert. Dabei weiß auch der Revlon-Chairman: Claudia Schiffer wird es dieses Mal nicht mehr richten können.

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