US-Manager fassen Mut
Übernahmen werden wieder attraktiver

Mit einer Flut von Übernahmen haben sich die expansionswilligen Strategen in den Unternehmen zurückgemeldet. Hauptschauplatz der neuen Welle von Mergers & Acquisitions (M&A) sind die USA, wo allein in dieser Woche drei milliardenschwere Deals verkündet wurden.

tor/jkn/wsj New York. Dagegen herrscht in Deutschland an der M&A-Front noch Ruhe. Weltweit wurden im Juli Übernahmen im Wert von 26 Mrd. $ verkündet, berichtet der Finanzinformationsdienst Thomson Financial.

Die anziehende Übernahme-Aktivität in den USA gibt der seit längerem arg gebeutelten M&A-Branche neue Hoffnung. „Zum ersten Mal seit der Enron-Pleite betrachten Unternehmen Fusionen und Übernahmen wieder als eine gute Sache“, sagt Don Meltzer, Co-Chef für Mergers und Acquisitions bei der Investmentbank Credit Suisse First Boston (CSFB) in New York.

Der Grund für das Comeback ist zum einen die aktuelle Börsen- Rally, die Aktien wieder als Zahlungsmittel attraktiv macht. Aber auch die niedrigen Zinsen auf den Anleihemärkten erleichtern die Finanzierung von Zukäufen.

Zudem haben viele Unternehmen die vergangenen Jahre genutzt, um Schulden abzubauen. Jetzt fassen die Manager wieder Mut für strategische Schritte. „Die Leute sind nicht mehr so nervös wie vor drei Monaten“, sagt Steven Kaplan, Finanzprofessor an der University of Chicago.

"Die Banken sind gut beschäftigt"

Das bestätigt Lutz Golsch, Managing Director der auf M&A spezialisierten Kommunikationsberater Ahrens & Behrent Financial Dynamics, auch für Deutschland. „Das Vertrauen in die wirtschaftliche Entwicklung scheint auch in Deutschland wieder ganz langsam zu wachsen. Aber es dürften noch einige harte volkswirtschaftliche Fakten notwendig sein, um einen nachhaltigen Stimmungsumschwung zu bewirken“, sagte er. Noch halten sich deutsche Manager mit Transaktionen jedenfalls zurück.

Dennoch gibt es auch für die deutsche M&A-Branche Hoffnung. „Die Banken, so hören wir, sind im Moment gut beschäftigt. Und die Gerüchteküche - sofern man diese als Indikator nehmen will - ist auch intensiver geworden", berichtete Golsch. Ob und wann die Transaktionen letztlich kämen, sei aber offen.

Auch in den USA gibt es skeptische Stimmen. „Ich würde noch nicht wieder die Champagner-Korken knallen lassen“, sagte Andrew Collins, Analyst bei US Bancorp Piper Jaffray in New York, der Nachrichten-Agentur Bloomberg. Die jüngsten Aktivitäten könnten durchaus Einzelfälle bleiben. „Wenn man von null startet, sieht alles gut aus“, sagte Collins.

Sehr unterschiedliche Motive

Tatsächlich liegt der Wert der bislang in diesem Jahr verkündeten Deals mit 583 Mrd. Dollar noch unter dem schwachen Vorjahreswert. Im Jahr 2000 hat der Wert der Transaktionen nach Bloomberg weltweit knapp 3 500 Mrd. Dollar betragen.

Hinzu kommt, dass die aktuellen Geschäfte von zum Teil sehr unterschiedlichen Motiven und nicht von einer allgemeinen Übernahmeeuphorie geleitet werden. So zielen die in dieser Woche vorgelegten Übernahmeangebote alle auf Unternehmen, die nach wie vor mit Ertrags- oder Umsatzproblemen zu kämpfen haben. Das gilt sowohl für den Autozulieferer Dana und den Transportanbieter Roadway als auch für den Datenbankspezialisten Legato.

Dagegen will der Alu-Spezialist Alcan durch den Aufkauf von Pechiney einen reifen Markt konsolidieren. Das gleiche Motiv bestimmt auch die Gespräche der US-Tabakriesen R.J. Reynolds und Brown & Williamson. Der Angriff von Oracle auf Peoplesoft markiert wiederum eine Abkehr von dem früheren Motto der „Fusion unter Gleichen“. Oracle-Chef Larry Ellison will den Konkurrenten schlicht aus dem Weg räumen. Ähnlich wie Alcan-Chef Travis Engen haben Ellsion mögliche Bedenken der Kartellwächter nicht von seinem Schachzug abgehalten. Diese Entschlossenheit ist wohl das stärkste Signal für ein Comeback des M&A-Marktes.

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