US-Milliardär Kerkorian hat Einigung angeboten
Daimler schließt Vergleich nicht mehr aus

Der Autokonzern Daimler-Chrysler hat unmittelbar vor dem Prozessauftakt im milliardenschweren Rechtsstreit mit dem ehemaligen Chrysler-Großaktionär Kirk Kerkorian erstmals einen möglichen Vergleich ins Auge gefasst: Daimlers US-Verteidiger Michael Schell lehnte eine außergerichtliche Einigung nicht mehr kategorisch ab.

KAPSTADT/NEW YORK. „Wir sind gesprächsbereit“, sagte der New Yorker Anwalt. Nach Informationen aus Branchenkreisen boten die Anwälte von Kerkorian dem Konzern bereits einen Vergleich auf Basis des Kompromisses zwischen Daimler und US-Kleinanlegern an. Schell wollte dies nicht kommentieren.

„Wir sind von unserer Rechtsposition überzeugt und werden eine Entscheidung vor Gericht suchen“, sagte Daimler-Chrysler- Vorstand Jürgen Hubbert dem Handelsblatt in Kapstadt. Ab heute wird die Klage des amerikanischen Milliardärs gegen die Fusion von Daimler-Benz und Chrysler vor einem Bezirksgericht in den USA verhandelt. Im Sommer hatte der Autokonzern in einem überraschenden Schritt eine Sammelklage von Kleinaktionären mit einem Vergleich abgewendet und dafür 300 Mill. $ gezahlt.

Experten bewerten die Aussichten von Kerkorian skeptisch. „Ich weiß nicht, wie irgend jemand glauben kann, dass Daimler zu wenig für Chrysler bezahlt habe“, sagte Harald Hendrikse, Analyst bei Credit Suisse First Boston.

Doch Gerichtsverfahren in den USA sind bekannt für ihre Unberechenbarkeit. Im Zweifelsfall entschieden Geschworene in der Vergangenheit oft gegen große Konzerne und waren mit Milliarden-Urteilen schnell bei der Hand. Nicht wenige Analysten und Experten tippen deshalb darauf, dass sich Daimler-Chrysler zu einem Vergleich bereitfinden wird.

Über die Klage von Kerkorian wird allerdings nicht – wie vom Kläger gefordert – ein Geschworenengericht, sondern allein ein Richter entscheiden. Der Verzicht auf eine Jury gilt darum als Vorteil für Daimler-Chrysler. Der Autokonzern hatte den Vergleich mit den Kleinaktionären im August unter anderem mit der Unsicherheit über die Haltung der Jury begründet, die im damaligen Prozess entscheiden sollte.

Der Antrag von Daimler auf Einstellung des Kerkorian-Verfahrens war vom Richter vergangene Woche abgewiesen worden. Konzernchef Jürgen Schrempp muss vermutlich in der kommenden Woche persönlich vor dem US-Gericht aussagen. Kerkorian nimmt voraussichtlich bereits heute oder morgen Stellung.

Wichtig sei eine rasche Entscheidung, sagte Fredrik Westin, Auto-Analyst der WestLB, damit das Unternehmen nicht durch Spekulationen belastet wird. Angesetzt ist der Prozess bis Mitte Dezember. Anwalt Schell erwartet ein Urteil allerdings frühestens im März kommenden Jahres.

Der US-Milliardär Kerkorian war zum Zeitpunkt der Fusion von Daimler-Benz und Chrysler 1998 mit 13,7 % der Anteile der größte Einzelaktionär des US-Unternehmens und nach Darstellung der Stuttgarter von Anfang an in den Fusionsplan eingeweiht gewesen. Doch Kerkorian und seine Investmentgesellschaft Tracinda fordern von Daimler-Chrysler Schadensersatz in Milliardenhöhe, weil es sich nicht wie angekündigt um eine Fusion beider Unternehmen, sondern um eine reine Übernahme gehandelt habe. Nach Ansicht von Kerkorian haben die Chrysler-Aktionäre deshalb zu wenig Geld für ihre Aktien erhalten. Auch die Gruppe von Kleinaktionären, die im Sommer den Vergleich schlossen, führte genau dieses Argument in ihrem Verfahren an.

Der deutsch-amerikanische Konzern steht dagegen auf dem Standpunkt, dass der Zusammenschluss „eine Fusion unter Gleichen aus dem Lehrbuch“ gewesen sei.

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