US-Modekonzern will Wachstumstempo in Europa durch Zukäufe kleinerer Marken halten
Tommy Hilfiger geht in Europa auf Einkaufstour

Mit der Übernahme von bis zu fünf kleineren europäischen Marken will der Modekonzern Tommy Hilfiger sein starkes Wachstum in Europa fortsetzen. Das kündigte Europachef Fred Gehring am Sitz der Hilfiger-Tochter in Amsterdam gegenüber dem Handelsblatt an.

AMSTERDAM. „Es ist möglich, dass wir noch in diesem Jahr eine oder mehrere lokale Marken mit Umsätzen um 30 Mill. Euro in Europa übernehmen“, sagte Gehring dem Handelsblatt. Firmennamen nannte er nicht. Der Konzern mit Sitz in Hongkong und New York entwirft und vermarktet vorwiegend sportliche Kleidung für Herren, Damen und Kinder.

Der Einkaufstrip passt in die aktuelle Lage der Textilwirtschaft. „Die Konzentration in Einzelhandel und Industrie geht weiter, vom zukünftigen Wachstum wird nur ein kleiner Kreis profitieren“, sagt Klaus Brinkmann, Präsident des Modeverbandes German Fashion. Er sieht Hilfigers Wachstumsstrategie als beispielhaft an. „Es stellt sich nur die Frage der Nachhaltigkeit“, sagt Brinkmann. „Wir leben nicht vom Umsatz, sondern vom Ertrag.“

Hilfiger wächst in Europa trotz schrumpfender Märkte außergewöhnlich stark. Im Geschäftsjahr 2003/2004 legte der Umsatz um 49,6 Prozent auf 348,8 Mill. Euro. „Hilfiger ist eine der Aufsteigermarken der letzten Jahre“, sagt Heijo Gassenmeier, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE). Der deutsche Markt schrumpfte in den vergangenen drei Jahren um mehr als fünf Prozent.

Im Stammland USA steckt der Konzern allerdings in einer Krise. Dort habe die Marke Hilfiger ihren Höhepunkt überschritten, sagt Europachef Gehring. Sie sei zu breit im Handel verteilt.

Händler befürchten, dass die Marke bei weiterem starken Wachstum auch in Europa verwässern könnte. „Die Kunst der Markenführung ist ein Spagat zwischen Omnipräsenz und Verknappung“, sagt BTE-Verbandsvize Gassenmeier. Gehring hofft, das Image halten zu können und gleichzeitig mit zusätzlichen Produktgruppen zu wachsen: Unterwäsche, Taschen, Parfum, Uhren hat er im Sinn.

Deutschland ist mit 20 Prozent Umsatzanteil der wichtigste Markt für Hilfiger in Europa. Die Marke ist hier an 950 Verkaufsstellen zu finden, laut Gehring kennt ein Drittel der Deutschen Hilfiger spontan. Acht Läden betreibt das Unternehmen in Deutschland selbst, drei neue sollen 2005 hinzu kommen: In Stuttgart und Frankfurt sowie in Berlin ein Jeans-Laden. „In drei bis vier Jahren werden wir das Geschäft in Deutschland verdoppeln“, sagt Gehring – Zukäufe eingerechnet.

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