Industrie

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US-Pharmakonzern: Merck dämpft die Erwartungen

Dank zweier Blockbuster-Medikamente hat der US-Konzern Merck besser verdient als erwartet. Trotzdem ist der Ausblick durchwachsen – wichtige Patente laufen schon bald aus.

Besser als erwartet: Der amerikanische Pharmakonzern hat mit seinen Quartalszahlen die Analysten überrascht. Quelle: dapd
Besser als erwartet: Der amerikanische Pharmakonzern hat mit seinen Quartalszahlen die Analysten überrascht. Quelle: dapd

Der US-Pharmariese Merck & Co steckt den Patentverlust seines einstigen Top-Medikaments gegen Asthma überraschend gut weg. Kräftige Umsatzzuwächse mit Diabetes-Präparaten federten den Einbruch beim Asthma-Mittel Singulair ab.

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Zwar schrumpfte der Gewinn im vierten Quartal um sieben Prozent auf 1,4 Milliarden Dollar, wie der nach Pfizer zweitgrößte amerikanische Arzneimittelhersteller am Freitag mitteilte. Damit schnitt Merck & Co aber besser ab als Analysten erwartet hatten. Anleger überzeugte das jedoch nicht, denn Konzernchef Kenneth Frazier legte einen eher vorsichtigen Geschäftsausblick für das laufende Jahr vor. Zudem verzögert sich voraussichtlich der Marktstart eines wichtigen neuen Medikaments. Die Merck & Co-Aktie verlor daraufhin im US-Börsenhandel 3,5 Prozent.

Vor Sondereinflüssen verdiente Merck & Co im vierten Quartal 83 Cent je Aktie. Das sind zwei Cent mehr als Analysten dem Konzern aus Whitehouse Station in New Jersey zugetraut hatten. Für das laufende Jahr erwartet Merck & Co jetzt einen um Sondereinflüsse bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 3,60 und 3,70 Dollar. Das wäre ein Rückgang verglichen mit den 3,82 Dollar im Jahr 2012. Analysten hatten zuletzt für 2013 mit 3,68 Dollar gerechnet.

Pharmabranche an der Patentklippe

  • Wichtige Patente laufen aus

    Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

  • Cholesterinsenker und Blutverdünner

    Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

  • Generikahersteller profitieren

    Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

  • Probleme mit dem Nachschub

    Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Zudem hieß es, der Umsatz werde 2013 auf Basis gleichbleibender Wechselkurse wohl nur auf Vorjahresniveau bleiben. Merck-Chef Frazier gab zudem bekannt, dass sich der Markstart des neuen Osteoporose-Mittels Odanacatib voraussichtlich hinausschiebt. Der Konzern will jetzt erst nächstes Jahr die Zulassung in den USA beantragen.

Das sind keine guten Nachrichten für das Unternehmen, dessen einstiger Kassenschlager Singulair seit August in den USA im Wettbewerb mit den Kopien der Generikaindustrie steht. Das Präparat stand einmal für Jahresumsätze von rund sechs Milliarden Dollar. Im Zeitraum Oktober bis Dezember nahm Merck & Co mit Singulair nur noch 480 Millionen Dollar ein. Das ist ein Einbruch um 67 Prozent binnen Jahresfrist.

Der Patentausfall hinterließ im Konzernumsatz seine Spuren, der im vierten Quartal um fünf Prozent auf 11,74 Milliarden Dollar sank. Rund lief es dagegen bei den Diabetes-Arzneien Januvia und Janumet, deren Erlöse dank guter Geschäfte in Japan und in den USA zusammengenommen im Schlussquartal um 18 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar kletterten. Auch der Impfstoff Gardasil gegen Gebärmutterhalskrebs schlug sich sehr gut: Die Umsätze schnellten um 61 Prozent auf 442 Millionen Dollar in die Höhe.

Neues Ungemach durch Generika droht Merck & Co in diesem Dezember, wenn das Patent-Aus für das Migräne-Mittel Maxalt ansteht. Das Präparat brachte Merck & Co zuletzt immerhin 600 Millionen Dollar im Jahr ein. 2014 dürften dann die Schutzrechte für das Krebsmittel Temodar ablaufen. Gegensteuern will Merck mit neuen Medikamenten: In diesem Jahr will der Konzern für fünf Präparate die Zulassung beantragen, auch das mit Spannung erwartete Präparat Suvorexant gegen Schlafstörungen ist dabei. Merck-Chef Frazier bekräftigte zudem, er werde auch Zukäufe ausloten, um den Konzern voranzubringen.

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