US-Pharmariese Merck setzt mehr um als erwartet

Vor allem die starken Geschäfte mit Impfstoffen und Diabetesmitteln sorgten bei Merck für höhere Umsätze als von Analysten erwartet. Der Gewinn ging allerdings wegen höherer Kosten um elf Prozent zurück.
Update: 27.07.2012 - 15:55 Uhr Kommentieren
Die Zentrale von Merck & Co.: Der US-Pharmakonzern hält am Ausblick für das Gesamtjahr fest. Quelle: ap

Die Zentrale von Merck & Co.: Der US-Pharmakonzern hält am Ausblick für das Gesamtjahr fest.

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New York/Whitehouse StationStarke Geschäfte mit Impfstoffen, Diabetes- und Aids-Medikamenten stützen den US-Pharmariesen Merck & Co. Der zweitgrößte Arzneimittelhersteller der USA nach Pfizer übertraf mit seinen Gewinnzahlen zum zweiten Quartal die Schätzungen der Analysten. Konzernchef Kenneth Frazier bekräftigte zur Vorlage des Zwischenberichts am Freitag die Jahresziele des Konzerns.

Er stellte zugleich Fortschritte in der Medikamentenentwicklung in Aussicht. Denn wie andere internationale Pharmakonzerne muss auch Merck & Co Umsatzeinbußen durch wegfallende Patente bei Schlüsselpräparaten verkraften. "In unserem Medikamentennachschub erzielen wir erhebliche Fortschritte in diesem Jahr und wir rechnen mit sechs großen Zulassungsanträgen innerhalb der kommenden 18 Monate", kündigte Frazier an. Darunter sollen neue Präparate gegen Knochenschwung sowie Schlafstörungen sein.

Merck & Co erzielte im Zeitraum April bis Juni einen Gewinn von 1,79 Milliarden Dollar, das entspricht einem Rückgang von 11,4 Prozent binnen Jahresfrist. Pro Aktie kam der Konzern vor Sonderposten auf ein Ergebnis von 1,05 Dollar. Damit übertraf das Unternehmen die Analystenschätzungen um vier Cent. Die Merck-&-Co-Aktie legte kurz nach Börseneröffnung um 3,1 Prozent zu. Das in Whitehouse Station im Bundesstaat New Jersey ansässige Unternehmen setzte von April bis Juni 12,31 Milliarden Dollar um und damit ein Prozent mehr als vor Jahresfrist. Analysten hatten 12,15 Milliarden erwartet.

Der starke Dollar wirkte sich negativ auf die Einnahmen im Auslandsgeschäft aus. Wechselkursbereinigt stiegen die Umsätze um fünf Prozent. Für das Gesamtjahr 2012 erwartet Merck & Co wie bisher ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 3,75 bis 3,85 Dollar. Im vergangenen Jahr verdiente der Konzern je Anteilsschein 3,77 Dollar.

Welche Firmen im Medikamente-Geschäft mitspielen
Sanofi-Aventis Deutschland
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Mitarbeiter von Sanofi-Aventis in Deutschland: Die Pharmabranche ist in stabiler Verfassung. Trotz auslaufender Patente erwarten Analysten auch im kommenden Jahr stabile Erträge. Handelsblatt Online zeigt die großen Pharmaunternehmen der Welt, die ihr Geld alleine mit pharmazeutischen Produkten verdienen.

huGO-BildID: 14157693 A lab technician at Novo Nordisk conducts in vitro research in Malov, Denmark, on Friday, Sept. 28, 2007. Future profitability
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Labor des Pharmaherstellers Novo Nordisk in Dänemark. Im Vergleich zu den großen Weltkonzernen spielt das Unternehmen eher eine untergeordnete Rolle. Nach Konsensus-Schätzungen von Analysten wird der Umsatz im kommenden Jahr um 8,8 Prozent auf 12,6 Milliarden US-Dollar steigen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wird sogar um 11,1 Prozent steigen und bei 4,2 Milliarden Dollar liegen.

Earns Amgen
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Der Biotechnologiekonzern Amgen hat seinen Sitz im amerikanischen Städtchen Thousand Oaks. Der Umsatz des Unternehmens wird im kommenden Jahr nach Analystenschätzungen um 1,3 Prozent zulegen. Die Erlöse sollen bei 16 Milliarden Euro liegen, der Gewinn bei 5,9 Milliarden - und damit 5,1 Prozent über dem Vorjahreswert.

huGO-BildID: 9652714 A researcher at Bristol-Myers Squibb's Genomic Technologies Pharmaceutical Research Institute, in Hopewell, New Jersey, prepares
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Forscherin im Labor von Bristol-Myers Squibb in Hopewell, New Jersey: Der US-Konzern wird als einer der wenigen Pharmafirmen in diesem Jahr vermutlich einen heftigen Umsatzeinbruch verkraften müssen, weil wichtige Patente auslaufen und Konkurrenz durch Hersteller von Nachahmerprodukten droht. So muss der Konzern den Patentablauf von Plavix verkraften. Analysten rechnen mit einem Rückgang von 14 Prozent auf 18,3 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern wird voraussichtlich sogar um 30 Prozent sinken. Er soll bei 4,9 Milliarden Dollar liegen.

huGO-BildID: 24491902 Brilique von Astra Zeneca
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Brilique, ein Mittel gegen Herzinfarkt und Schlaganfall bei Spezialpatenten: Hersteller ist der britische Pharmakonzern Astra Zeneca. Das Unternehmen liegt beim Umsatz im internationalen Mittelfeld, wird in diesem Jahr allerdings einen Rückgang der Erlöse um 8,6 Prozent verzeichnen, wie Analysten nach Angaben von Bloomberg schätzen. Der Umsatz wird bei 30,7 Milliarden Dollar liegen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) bei 10,9 Milliarden. Das ist ein Rückgang um 16,9 Prozent.

huGO-BildID: 3265085 Eli Lilly, Hamburg, Pharma Forschung
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Niederlassung von Eli Lilly in Hamburg: Das Unternehmen ist eines der weltweit führenden Pharmaunternehmen. Allerdings glauben Analysten nach Angaben von Bloomberg, dass der Umsatz im Jahr 2012 um 5,4 Prozent auf 22,8 Milliarden Dollar sinken wird - Hintergrund sind auch hier auslaufende Patente. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern wird sogar um 16,2 Prozent zurückgehen und nur noch bei 5,2 Milliarden Dollar liegt.

huGO-BildID: 2342951 HANDOUT -- Undated picture showing unspecified pharmaceuticals in production at the headquarters of Knoll Pharmaceutical Co. , a
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Nach den von Bloomberg publizierten Konsensschätzungen der Analysten wird der Londoner Pharmahersteller Astra-Zeneca in diesem Jahr auf Platz neun der Umsatzcharts unter den weltweiten Pharmaunternehmen liegen. Dabei werden auch bei Astra die Erlöse zurückgehen: Der Umsatz wird bei 30,7 Milliarden Dollar liegen. Das sind 8,6 Prozent weniger als im vergangenen Jahr, weil die Konkurrenz nun das Psychopharmakon Seroquel nachbauen darf. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern wird um 16,9 Prozent zurückgehen und bei 10,9 Milliarden Dollar liegen.

Umsatzstärkstes Medikament im Quartal war das Asthma-Mittel Singulair. Mit seinem Top-Präparat konnte Merck & Co die Verkaufserlöse um sechs Prozent auf 1,43 Milliarden Dollar ausbauen. Doch die Umsatzerfolge mit der Arznei werden nicht mehr lange anhalten. Denn im August wird das Mittel, mit dem Merck & Co zuletzt immerhin Jahresumsätze von fünf Milliarden Dollar einfuhr, seinen Patentschutz in den USA verlieren. Dann drohen herbe Umsatzeinbrüche, da Generikafirmen ihre günstigen Nachahmer rasch auf den Markt bringen dürften.

Analysten zufolge könnte Merck binnen kurzer Zeit der Singulair-Umsatz um zwei Drittel wegbrechen. Den stärksten Umsatzzuwachs sah das Diabetes-Mittel Januvia. Die Verkaufserlöse mit dem Mittel schnellten um 36 Prozent auf 1,06 Milliarden Dollar in die Höhe. Die Merck-Führung hofft, die kommenden Einnahmeausfälle bei Singulair künftig durch starkes Wachstum bei der Diabetes-Arznei abzufedern.

Auch die HIV-Arznei Isentress verzeichnete ein kräftiges Umsatzplus von 18 Prozent auf 398 Millionen Dollar im abgelaufenen Quartal. Dagegen brachen die Erlöse mit dem Blutdruckmittel Cozaar um 17 Prozent auf 337 Millionen Dollar ein. Das Medikament verlor den Patentschutz. Wie sich der Branchenprimus Pfizer im zweiten Quartal geschlagen hat, wird in der kommenden Woche feststehen. Pfizer will am Dienstag seinen Zwischenbericht veröffentlichen.

  • rtr
  • dpa
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