US-Projekte
Solar Millennium prüft Strategiewechsel

Solarmodule sind in den USA derzeit billig und gefragt. Der Kraftwerksentwickler Solar Millennium nimmt deshalb auch in Übersee Abstand vom Bau solarthermischer Anlagen und schenkt auf Photovoltaik um.
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DüsseldorfDer Kraftwerksentwickler Solar Millennium will seine technologische Kehrtwende hin zur Photovoltaik möglicherweise auch bei weiteren US-Projekten vollziehen. Statt solarthermischer Kraftwerke, in denen Sonnenenergie Wasser erhitzt und deshalb gespeichert werden kann, könnten in Kalifornien und Nevada nun Photovoltaik-Anlagen gebaut werden, sagte eine Sprecherin am Donnerstag.

Nach dem Preisverfall bei Solarmodulen sei die Nachfrage in den USA nach Photovoltaik derzeit stärker als nach Solarthermie. Die Firmensprecherin dementierte indes einen Bericht des „Manager Magazins“, die Vorhaben seien auf Eis gelegt. „Die Projekte stehen nicht auf der Kippe“, betonte sie. Einen detaillierten Zeitplan für die Realisierung gebe es zwar noch nicht, der Vorstand habe aber in der Vergangenheit eine Umsetzung bis 2015 anvisiert.

Firmenchef Christian Wolff hatte in der vergangenen Woche einen Strategiewechsel für das Verluste schreibende Unternehmen angekündigt. Künftig will Solar Millennium stärker auf kleinere Photovoltaik-Anlagen setzen statt auf die Entwicklung milliardenschwerer solarthermischer Großkraftwerke. Den über Jahre geplanten solarthermischen Kraftwerksbau im kalifornischen Blythe, für den die Firma Kreditgarantien der Obama-Administration über 2,1 Milliarden Dollar erhalten hatte, blies Wolff ab. Statt dessen sollen dort nun in mehreren Bauabschnitten PV-Anlagen entstehen. Einnahmen daraus sollen ab dem kommenden Jahr sprudeln.

Ursprünglich sollte in Blythe der größte Solarkraftwerksstandort der Welt entstehen, ein Pilot für das Wüstenstromprojekt Desertec. Auf einer Fläche von 24 Quadratkilometern sollten in den kommenden Jahren vier Parabolrinnenkraftwerke mit jeweils 242 MW gebaut werden, die deutlich effizienter sind als PV-Kraftwerke, vor allem wegen ihrer Speicherfähigkeit.

Diese Pläne und die Aussicht auf sprudelnde Einnahmen hatten seinerzeit den Börsenkurs von Solar Millennium beflügelt. Nach deren Absage brach der Kurs um mehr als zwei Drittel ein. Nach einer leidlichen Erholung in den vergangenen Tagen auf 5,51 Euro sackte der Kurs am Donnerstag erneut um 20 Prozent auf 4,44 Euro ab.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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