US-Raffinerie mit Preisfehler: Wenn der Ölpreis unter Null fällt

US-Raffinerie mit Preisfehler
Wenn der Ölpreis unter Null fällt

US-Raffinerien verlangen kurzzeitig 50 Cent pro Barrel vom Erzeuger, um qualitätsarmes Rohöl abzunehmen. Dann wird der „Negativpreis“ dementiert. Amerikanische Banken sind dennoch alarmiert. Der Grund: Ölkredite.

San FranciscoEs klang so absurd, dass man es für unmöglich hielt – und das war es am Ende auch. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg verlangten die Raffinerien der Flint Hills Resources in Wichita im US-Bundesstaat Kansas 0,50 Dollar pro Barrel vom Erzeuger, um das qualitätsarme „North Dakota Sour“ abzunehmen.

Rohöl ist nicht gleich Rohöl und das „Sour“ ist reich an Sulfaten und teurer zu verarbeiten. Während die Welt auf Öl aus der Golfregion oder der Nordsee schaut und sich fragt, wie weit der Preis noch unter 30 Dollar für ein Fass fallen könnte, wird für viele US-Sorten, darunter auch höherwertige Sorten aus North Dakota, ohnehin längst nur noch zwischen 15 oder 22 Dollar bezahlt.

Kurz drauf dementierte ein Sprecher von Flint Hills Resources diesen Negativpreis – die Preisliste wurde von der Website gelöscht. Die Angaben seien versehentlich gemacht worden, korrekt sei ein Preis von 1,50 Dollar. Unklar blieb, wie es zu dem Fehler kam.

Trotzdem ist der Sturz nahe des Negativ-Territoriums ein Schock für die US-Wirtschaft. Am 5. Januar zahlte die Flint-Raffinerie, die zum Imperium der Koch-Brüder gehört, noch über sechs Dollar. Jetzt müssen die Produzenten hoffen, dass der Weltmarktpreis wieder anzieht und sie im Schlepptau profitieren. Sonst wird es eng – und die Zeichen stehen schlecht.

Ein guter Teil des wirtschaftlichen Aufschwungs der letzten Jahre in den USA ist der Ölindustrie zu verdanken, die in den goldenen Zeiten von Ölpreisen jenseits der 100 Dollar auch die teuersten Produktionsverfahren angeschmissen hatte. Tief aus der Erde oder aus öligem Schlamm wird mit Milliarden von Litern Trinkwasser und giftigen Chemikalien das letzte Tröpfchen Öl gepresst. Bundesstaaten wie Texas oder North Dakota erlebten einen kleinen Boom bei Arbeitsplätzen und Immobilienpreisen.

Das ist jetzt in Gefahr. Seit 2015 gingen Zehntausende Jobs in der US-Ölindustrie wieder verloren. Kleinere Unternehmen gingen bankrott. Wie die üblicherweise gut informierte Webseite Zerohedge unter Berufung auf Brancheninsider berichtet, hat sich die texanische Zentralbank bereits mit großen und kleinen Geldhäusern getroffen, um über deren Kredite an die Ölindustrie zu sprechen.

Dabei soll es auch darum gegangen sein, im Zweifel keine Konkursverfahren voranzutreiben, sondern zuerst zu versuchen, die säumigen Unternehmen zu Verkäufen von Anlagevermögen zu bewegen. Die Fed sah sich am Montag dann genötigt auf Twitter zu antworten. „Das ist nicht richtig“, heißt es. „Die Dallas-Fed gibt solche Richtlinien nicht heraus.“

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