US-Recht
Tippgeberin erhält Millionen von Glaxo

Die verantwortlichen Manager mögen es als Verrat gesehen haben, die US-Behörden sahen es definitiv als Dienst am Verbraucher: Für die Aufdeckung von Qualitätsmängeln erhält eine ehemalige Glaxo-Mitarbeiterin eine märchenhafte Summe.
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HB LONDON. Eine Ex-Mitarbeiterin des britischen Pharmakonzerns Glaxosmithkline hat für die Aufdeckung von Missständen in ihrem ehemaligen Unternehmen 96 Mio. Dollar zugesprochen bekommen. Das Geld stammt aus einer Strafsumme von 750 Mio. Dollar, auf die sich Glaxo und das amerikanische Justizministerium geeinigt haben.

Ein Werk des Pharmaherstellers in Peru hatte jahrelang verseuchte Medikamente ausgeliefert. Die ehemalige Qualitätsmanagerin des Unternehmens hatte auf die Probleme hingewiesen, doch das Management hatte sie ignoriert. Daher wandte sie sich 2004 an die Aufsichtsbehörden. Sie erhält die höchste Summe, die eine Tippgeberin (englisch "Whistleblower") jemals erhalten hat.

Zu den betroffenen Medikamenten gehört ein Diabetesmittel, eine Hautsalbe und Antidepressivum. Das Ministerium hatte GSK vorgeworfen, die Arzneien in dem Werk nicht ordnungsgemäß hergestellt zu haben. Sie seien deswegen nicht wirksam gewesen. Auch das wegen einer erhöhten Herzinfarkt-Gefahr ins Gerede gekommene, in Deutschland ab 1. November verbotene Diabetesmittel Avandia wurde in Cidra hergestellt.

Staatsanwalt Tony West listete eine ganze Reihe von Verfehlungen auf: Mal wurden die Medikamente während der Produktion verunreinigt, mal wurden sie durcheinandergebracht und in falschen Flaschen abgefüllt, mal stimmten die Inhaltsstoffe nicht. Im vergangenen Jahr machte Glaxosmithkline die Fabrik schließlich dicht - offiziell, weil die dort hergestellten Medikamente nicht mehr gefragt waren.

Zu der Belohnung für die Tippgeberin kommen weitere Millionen aus den Bundesstaaten. Cidra war nach Angaben der Anwälte zum Zeitpunkt der Schlampereien das größte Werk von Glaxosmithkline mit mehr als 20 Medikamenten. Das Unternehmen hatte bereits für die Millionenstrafe vorgesorgt und zur Jahresmitte ausreichend Geld beiseitegelegt. Der Vergleich werde sich deshalb nicht weiter auf das Ergebnis auswirken, ließ das Unternehmen wissen.

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