US-Stromaufträge erwartet
US-Blackout dürfte ABB voran bringen

Dank Grossaufträgen aus den USA nach dem Stromausfall in der vergangenen Woche dürfte der Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB die für 2005 formulierten Finanzziele mindestens erreichen.

Reuters ZÜRICH. „Die Wahrscheinlichkeit, dass wir die Zahlen, die wir kommuniziert haben, erreichen, ist sehr hoch und wahrscheinlich werden wir in der Lage sein, uns schneller zu entwickeln“, sagte Konzernchef Jürgen Dormann der „Financial Times“.

ABB peilt bis 2005 ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von rund vier Prozent an. Die EBIT-Marge soll bis 2005 auf acht Prozent steigen von gegenwärtig 3,4 %.

Rückenwind erhält ABB offenbar auch von der Konjunktur: „Wir sehen frühe Zeichen einer Erholung“, sagte Dormann zur Financial Times Deutschland. Vor allem in der Pharma- und Papierindustrie gebe es eine Belebung, nicht aber in der Autobranche.

Auch bei zwei anderen wichtigen Unternehmenszielen machten ABB kürzlich grosse Fortschritte. Bei dem geplanten Asbest-Vergleich mit über 100 000 US-Klägern sieht ABB ermutigenden Zeichen. Die Einsprüche würden vom zuständigen Gericht vorrangig behandelt (fast track). Der Vergleich im Umfang vom 1,3 Mrd. Dollar hatte ein US-Bezirksgericht Anfang August abgesegnet.

In den nächsten Tagen wird zudem der Verkauf der Division Öl, Gas und Petrochemie für rund eine Milliarde Dollar erwartet. Damit soll die Verschuldung von 8,3 Mrd. Dollar abgebaut werden.

Marktbeobachter verweisen darauf, dass die hochverschuldete ABB mit positiven Nachrichten versuchen könnte, den Boden für eine Kapitalbeschaffung zu ebnen. Die Tatsache, dass ABB die US-Stromaufträge benutze, um eine positive Stimmung zu schaffen, sei verständlich, sagte Patrick Appenzeller, Analyst bei der Bank Leu. Das Unternehmen müsse die Kapitalerhöhung jetzt durchführen, wo sich die das Umfeld mit der konjunkturellen Hoffnungen und dem absehbaren Ende des Asbest-Problems verbessert habe, so der Analyst. „Der Einfluss des Black-Outs wird völlig überbewertet. Ob und wieviel zusätzlicher Umsatz resultiert, steht noch in Frage.“

Ein ABB-Sprecher erkläre dagegen, ABB sei in der Stromübertragung und der Stromverteilung US-Marktführer und dürfte vom Investitionsbedarf profitieren. ABB macht mit der Energietechnik einen Umsatz von rund acht Mrd. Dollar, davon rund ein Viertel in den USA. Gemäss Analysten der CS Group kommt ABB im US-Übertagungs- und Verteilungsmarkt auf einen Marktanteil von über 40 %. Insgesamt erzielte ABB 2002 einen Umsatz von 18,1 Mrd. Dollar.

Das US-Stromversorgungsnetz gilt als extrem störanfällig und modernisierungsbedürftig, da über Jahre hinweg nur unzureichend investiert wurde.US-Präsident George W. Bush hatte den Stromausfall, von dem vergangene Woche rund 50 Mill. Menschen in den USA und Kanada betroffen waren, als Weckruf bezeichnet und eine Modernisierung des US-Stromnetzes gefordert. Der US-Energieminister Spencer Abraham hatte das nötige Investitionsvolumen in die Infrastruktur der amerikanischen Stromnetze auf rund 50 Mrd. Dollar beziffert. Den Weltmarkt für Übertragungs- und Verteilungs-Dienstleistungen dominieren die drei europäischen Konzerne ABB, Siemens Alstom.

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