US-Tankflugzeuge
Datenpanne ändert für EADS und Boeing alles

Es geht um ein 50-Milliarden-Dollar-Geschäft. Das US-Militär will neue Tankflugzeuge ordern. Die Konkurrenten im Bieterkampf: Boeing und EADS. Die Nerven sind zum Zerreißen gespannt. Doch dann stellt eine Datenpanne alles auf den Kopf. Das US-Militär verschiebt die Entscheidung, was aber nichts mit der Panne zu tun habe. Ein Wirtschaftskrimi nimmt seinen Lauf.
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HB WASHINGTON. Noch vier Wochen warten - dann sollte alles klar sein. So hoffte man in Europa und in Chicago. Ursprünglich sollte die Entscheidung über Auftrag zum Bau der 179 Tankflugzeuge bis zum 20. Dezember fallen. Doch nun wird das Bieterrennen erst Anfang kommenden Jahres beendet. Die Entscheidungsfindung dauere länger als zunächst angenommen, sagte US-Militärsprecher Les Kodlick am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters.

Damit wird die Geduld der Flugzeugbauer einmal mehr auf die Probe gestellt. Die neue Vergabe des Tankflugzeug-Auftrags ist bereits der dritte Versuch, die im Schnitt 50 Jahre alten KC-135-Flieger von Boeing zu ersetzen. In der ersten Runde schien Boeing siegreich, in der zweiten EADS. In beiden Fällen wurde das Verfahren jedoch gestoppt und jeweils neu aufgerollt.

Für die US-Luftwaffe wäre es der größte Kauf innerhalb eines Jahrzehnts.Die neuen Tankflugzeuge sollen Kampfflugzeuge und andere Flieger während des Fluges betanken. Und für die Hersteller wäre es ein Riesen-Geschäft - wie so manche andere Aufträge der US-Regierung. Rund die Hälfte der weltweiten Rüstungsausgaben gehen auf das Konto der USA.

Außerdem kann das Unternehmen, das den Bauauftrag am Ende erhält, auf lukrative Folgeaufträge hoffen: Die 179 Tankflugzeuge sind nur die erste Tranche einer ganzen Flotte, in dessen Bau insgesamt bis zu 100 Milliarden Dollar (knapp 73 Milliarden Euro) fließen könnten.

Laut Kodlick steht die Verspätung nicht in Zusammenhang mit der jüngsten Datenpanne. Dabei hat die Luftwaffe durch einen Bearbeitungsfehler beiden Bietern unabsichtlich einige Informationen über die Gebote der jeweils anderen Partei geschickt. Dies kann laut Experten noch zu Reklamationen und Auftragsänderungen führen.

Zudem könnte die von beiden Konzernen gemeldete Datenpanne die Auftragsvergabe noch vollständig umkrempeln. Fachleute halten es für möglich, dass dieser Fehler die Tür öffnet, um den Auftrag zu teilen. Dies hat Verteidigungsminister Robert Gates bisher ausgeschlossen. Luftwaffen-Sprecher Kodlick versicherte, dass weder Boeing noch EADS im Nachteil seien - beide Konzerne verfügten über die gleichen Informationen.

Laut Richard Aboulafia von Teal Group ist es durch die Panne unwahrscheinlicher geworden, dass der Auftrag nur an eine Seite vergeben wird. Scott Hamilton von der Beratungsfirma Leeham hält sogar eine vierte Runde im Bieterrennen für möglich.

Wie konnte es zu solch einer Panne kommen? Schuld sei ein Schreibfehler gewesen, der vor rund zwei Wochen dazu geführt habe, dass der heimische Boeing-Konzern und der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS Informationen über das jeweilige Konkurrenzangebot zugeschickt bekommen hätten, sagte Kodlick der Zeitung "Seattle Times". Auf ihrer Internetseite berichtete die Zeitung, dass unter anderem wichtige Preisinformationen über das jeweils andere Angebot verschickt wurden.

Die demokratische US-Senatorin Maria Cantwell, die im Ausschuss für Flugsicherheit und-betrieb des Kongresses sitzt, kritisierte die Panne. Es handele sich um eine "falsche Handhabung mit streng vertraulichen, firmeneigenen Informationen".

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  • "Dabei hat die Luftwaffe durch einen bearbeitungsfehler beiden bietern unabsichtlich einige informationen über die Gebote der jeweils anderen Partei geschickt."
    HaHaHa, selten so gelacht, das ist so das unwahrscheinlichste das in einer Ausschreibung passieren kann.

  • Wir sollten froh sein, wenn wir den Auftrag nicht bekommen. So wie die Amis gerade ihren Dollar ruinieren, indem wohl abgerechnet wird, könnte es ein Minusgeschäft werden. Außerdem müssen wir uns dann wieder vorwerfen lassen, dass wir in Länder liefern, die praktisch pleite sind und uns nicht wundern dürfen, wenn die ihre Schulden nicht zahlen (s. U-boote für Griechenland).

  • Der neue republikanische US-Kongress wird sicher einen Auftrag an EADS zu blockieren suchen. Obama hat zwar ein Veto, aber warum soll er sich für Merkel anstrengen, die ihn gerade erst wütend attackiert hat? So funktioniert halt das Gesetz der unbeabsichtigten Konsequenzen.

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