US-Wirtschaft
Obama: Frischer Wind für US-Wirtschaft

Die Stimmung in den USA schwankt in der Woche nach dem historischen Ausgang der Präsidentschaftswahl so wild wie die Börsen - zwischen Niedergeschlagenheit und Neuaufbau. Eins ist klar: Barack Obamas Pläne werden für viele Branchen Konsequenzen haben.

NEW YORK. Bücher von und mit Barack Obama stürmen derzeit die Bestseller-Listen in Amerika. Unumstrittener Spitzenreiter: Obamas Mutmacher "The Audacity of Hope" (Mut zur Hoffnung). Unweit dahinter: Der düstere Wirtschafts-Bestseller "I.O.U.S.A." von Addison Wiggin, eine Geschichte über den gigantischen Schuldenberg Amerikas.

Die Stimmung in der größten Volkswirtschaft der Welt ist damit gut beschrieben: Sie schwankt in der Woche nach dem historischen Wahlausgang so wild wie die Börsen - zwischen Niedergeschlagenheit und Neuaufbau. Die jüngsten Zahlen und Prognosen sprechen dafür, dass die USA tief in der Rezession stecken. Das Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal 2008 geschrumpft, für das Schlussquartal wird ein hohes Minus erwartet. Die Verluste bei Immobilien- und Finanzvermögen halten an, die Arbeitslosenzahlen steigen rasant, wichtige Märkte wie die Autoindustrie und der Inlandskonsum sind in den freien Fall übergegangen.

"Corporate America" braucht Mut zur Hoffnung darauf, dass Obama und sein Wirtschafts-Team die richtigen Antworten auf "die größte wirtschaftliche Herausforderung unseres Lebens" finden, wie der gewählte Präsident einräumt. Wer bringt die Konjunkturlokomotive wieder in Fahrt, wenn ihr wichtigster Motor, der US-Konsument, auf Jahre hinaus einen Schuldenberg abtragen muss? Wo entstehen neue Arbeitsplätze, wenn in der klassischen Industrie, im Finanzsektor und im Handel Hunderttausende von Jobs gestrichen werden? Wird mit Blick auf das alarmierende Haushaltsdefizit überhaupt Geld zur Verfügung stehen, um das marode Gesundheitssystem zu reparieren und die Industrie über den Neubau von Brücken, Straßen und Schulen zu stärken? Entscheidend werde sein, wie schnell die US-Regierung das Vertrauen in die Wirtschaft wiederherstellen und die globalen Finanzmärkte stabilisieren könne, sagt der Chef des Krankenversicherers Aetna, Ronald Williams.

Dass Obama auf diesem Weg einige Grundpfeiler der Wirtschaft verschieben wird, steht außer Frage. Anders als der amtierende Präsident George W. Bush setzt der Nachfolger auf erneuerbare Energien, in deren Entwicklung 150 Mrd. Dollar fließen sollen. Obwohl die Ölbranche eine der letzten Industrie-Bastionen Amerikas mit Gewinngarantie ist, will Obama die Abhängigkeit vom schwarzen Gold verringern. Auf seiner Agenda steht, Spritschlucker von den Straßen zu verbannen und die Entwicklung von Elektroautos voranzutreiben. Damit das im eigenen Land geschehen kann, ist er willens, die vor dem Kollaps stehende US-Autoindustrie mit Staatshilfen am Laufen zu halten. Citigroup-Analyst Edward Kerschner sieht derweil ein Bündel von Branchen durch den Regierungswechsel belastet: Unter ihnen sind Broker und Vermögensverwalter, Pharma- und Tabakfirmen, Kraftwerksbetreiber und Luxusgüterhersteller.

Schließlich hat Obama eine gewissenhaftere Regulierung der Wall Street angekündigt und dem Wähler Änderungen in der Steuerpolitik versprochen: Geringverdiener sollen entlastet, Topkonzerne - wie Exxon-Mobil - zur Gegenfinanzierung belastet werden. Die Reaktionen aus den Vorstandsbüros fallen entsprechend reserviert aus. Die USA hätten unter den Industrienationen schon jetzt die zweithöchste Unternehmenssteuer (35 Prozent), heißt es einsilbig. Der CEO des Büroartikel-Konzerns Staples, Ronald Sargent, rät dem künftigen Präsidenten, den Begriff "Business" nicht länger als "schmutziges Wort" zu gebrauchen. Wie groß die Sorge vor einem Linksruck ist, zeigt ein Meinungsbeitrag des Ex-Konzernchefs von American Express, Harvey Golub: "Wenn wir Handelsbarrieren aufbauen, Detroit subventionieren und den Gewerkschaften Schikanen erlauben, werden wir vor einer langen Rezession stehen", warnt Golub im "Wall Street Journal".

Das demokratische Lager hält entgegen, dass der künftige Präsident durchaus hochkarätige Unterstützung aus der Wirtschaft habe. Zu seinem Berater-Team zählen Google-Chef Eric Schmidt, Investoren-Legende Warren Buffett, die Ex-Finanzminister Lawrence Summers und Robert Rubin sowie der frühere Notenbankchef Paul Volcker. Obama sei ein Pragmatiker und kein Ideologe, beteuern seine Weggefährten. Sie müssen aber noch viel Überzeugungsarbeit leisten: Einer Oktober-Umfrage des Magazins "Chief Executive" zufolge fürchten mehr als 500 von 751 befragten Vorstandschefs die Konsequenzen einer Obama-Präsidentschaft.

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