US-Zulassungsbehörde begrüßt den Schritt
Pfizer stoppt Werbung für umstrittenes Arthrose-Mittel

Nachdem bereits Versuche an Testpersonen gestoppt wurden, rief der US-Konzern Pfizer nun auch die Werbemaßnahmen für das Mittel Celebrex in Fernsehen, Radio und Print zurück. Eine Studie hatte ein erhöhtes Risiko für das Herz-Kreislauf-Patienten nachgewiesen. Unterdessen sieht sich der Konzern mit ersten Sammelklagen konfrontiert.

HB NEW YORK. Bei dem US-Pharmakonzern Pfizer scheint die Unsicherheit zu wachsen: Nachdem am Ende vergangener Woche bekannt wurde, dass dem neuen Medikament Celebrex in einer von zwei neuen Studien ein erhöhtes Risiko für das Herz-Kreislauf-System nachgewiesen werden konnte, schien der US-Konzern bislang allen Abkehrungen von dem Produkt mehr als abgeneigt. Einen Rückzug des Medikaments hatte Pfizer im Anschluss an diese neue Entwicklung stets kategorisch ausgeschlossen.

Erst am Freitag kam Bewegung in die Sache, die von offentlichen Diskussionen begeleitet wird. So wurden Versuche zur Krebsvorbeugung mit Celebrex an Testpatienten zunächst einmal gestoppt. In einem weiteren Schritt wurde am Montag die Werbung für das in die Kritik geratende Arthrose-Mittel mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Wie die >>> „New York Times“ in ihrer Onlineausgabe mit Berufung auf eine Pfizer-Sprecherin berichtet, sind TV, Radio und Print sowie andere Verkaufsförderungen betroffen.

Derweil sieht sich der US-Pharmakonzern sogar mit ersten Sammelklagen konfrontiert. Die US-Anwaltskanzleien Finkelstein, Thompson & Loughran und Wolf Haldenstein Adler Freeman & Herz LLP haben am Freitagabend Klagen eingereicht. Beide werfen dem Unternehmen vor, im Zeitraum 1. November 2000 bis 16. Dezember 2004 irreführende und unrichtige Äußerungen bezüglich der Sicherheit der Medikamente Celebrex und Bextra veröffentlicht zu haben.

Pfizer trotzt dem öffentlichen Druck

Celebrex gehört zu einer speziellen Gruppe von entzündungshemmenden Schmerzmitteln, so genannten Cox-2 Hemmern. Wegen einer ähnlichen Entwicklung musste Pfizer-Konkurrent Merck & Co im September das von ihnen hergestellte Produkt Vioxx vom Markt nehmen. Auch dieses Mittel, das zur gleichen Wirkstoff-Gruppe wie Celebrex gehört, wies erhöhte Risikowerte auf. Das Arthritis-Produkt Vioxx rief dramatische Nebenwirkungen wie Herzinfarkte hervor, so dass sich der US-Konzern schnell darum bemühte, es vom Markt zu entfernen.

Etwas anders verhält sich hingegen Pfizer: Eines der umsatzstärksten Produkte wollte der Konzern trotz des immer stärker werdenden öffentlichen Drucks nicht fallen lassen. Und das, obwohl neben der europäischen Arzneimittelbehörde Emea auch die US-Zulassungsbehörde FDA große Bedenken über eine Verwendung des Produktes anmeldete. Beide Behörden machten sich fast gleichzeitig für eine erneute Überprüfung des Pfizer-Medikaments stark und empfahlen Ärzten, auf das Produkt zu verzichten. Zudem betonte die US-Behörde bereits, die Forschungsarbeit so schnell wie möglich fortsetzen zu wollen.

Zunächst stimmte die FDA am Montag jedoch dem Aussetzen der Werbung für Celebrex nach Angaben der Sprecherin zu. Die FDA sehe dies als angebrachten Schritt an, zitiert die Zeitung die Sprecherin. Der Zeitung zufolge hat der US-Pharmariese in den ersten neun Monaten 2004 71 Mill. $ für Celebrex-Werbung ausgegeben. Pfizer hat mit Bextra, das als Nachfolgeprodukt zu Celebrex gehandelt wird, 2003 einen Umsatz von 687 Mill. Dollar verbucht. Das Arthritismedikament Celebrex selbst spülte Pfizer im selben Zeitraum 1,883 Mrd. Dollar in die Kassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%