USA mit Standortvorteilen
Was BMW in Atlanta macht

Deutsche Unternehmen wie den bayerischen Autohersteller BMW, zieht es in den Süden der USA. Die Vorteile liegen auf der Hand: Dort gibt es reichlich Platz in zentraler Lage, wenig Bürokratie – und schwach aufgestellte Gewerkschaften.

ATLANTA. Die Geschichte begann auf der grünen Wiese. Hier, in Kennesaw, Georgia, einem stillen Vorort von Atlanta, gab es außer ehemaligen Bürgerkriegs-Schlachtfeldern, ein paar Shopping-Malls und Wohngebieten vor allem eines: Platz, viel Platz. Das sei einer der Gründe gewesen, sagt Marcel Kiessling. Der Mittvierziger muss nicht lange in seinem Gedächtnis kramen, die Erinnerung ist leicht hervorzulocken. „Wir hatten ein Gebäude in Queens, das sehr schnell zu klein für uns wurde. Außerdem stieg die Kriminalität von Jahr zu Jahr, die Gegend wurde schlechter“, erzählt er mit ernster Miene. „Und der Verkehr, der war eine Katastrophe.“

Marcel Kiessling ist vor drei Jahren aus Heidelberg nach Atlanta gekommen, er kennt das alles nur aus Berichten der Kollegen: warum die Heidelberger Druckmaschinen AG, weltweit führend im Bogen-Offsetdruck, deren Präsident für die Regionen Nord- und Südamerika er ist, 1994 ihr US-Hauptquartier einfach vom New Yorker Stadtteil Queens in den tiefen amerikanischen Süden verlegte. Doch die Gründe für den damaligen Umzug sind heute aktueller denn je. Immer mehr deutsche Unternehmen lassen sich im Südosten der Vereinigten Staaten nieder. Mittlerweile ist ihre Zahl auf rund 1 200 angewachsen.

Ab in den Süden, so lautet die Devise. Neuestes Beispiel ist die Münchener Softwareschmiede Mangold International. Die hat erst vor wenigen Wochen ihre Büros in der Peachtree Street, Downtown Atlanta, bezogen. Und in Alabama will Thyssen-Krupp jetzt ein 3,7 Milliarden Dollar teures Stahlwerk bauen, das 2 700 neue Arbeitsplätze schaffen soll. Als Umzugsgründe werden meist die zentrale Lage und gute Ausdehnungsmöglichkeiten genannt – und, vor allem, schwach aufgestellte Gewerkschaften.

Der amerikanische Südosten, von Texas bis North Carolina, ist die am schnellsten wachsende Wirtschaftsregion der USA. Atlanta ist ihr Zentrum. Die boomende Banken- und Businessmetropole mit knapp fünf Millionen Einwohnern trägt wegen der Konzentration von Hochtechnologiefirmen auch den Spitznamen „Silicon South“.

Wer hier die Heimat von Scarlett O’Hara sucht, der wird hilflos zwischen den schlanken, glitzernden Wolkenkratzern stehen, die sich in Midtown, dem Geschäftszentrum der Stadt, in den Himmel erheben und den Blick nach oben reißen. In Atlanta sei der Verkehr zwar manchmal auch eine „Herausforderung“, sagt Marcel Kiessling lachend. Aber kein Vergleich zu New York. Und dann zeigt er, dass er sich schon gut akklimatisiert hat im Land. „In Amerika“, grinst Kiessling, „sprechen wir nicht von ,Problemen’.“

Sein Arbeitgeber, Heidelberg USA mit knapp 1 000 Mitarbeitern und einem jährlichen Umsatz von 570 Millionen Dollar, ist eines von 350 deutschen Unternehmen, die Georgia als Standort gewählt haben – einen der wohlhabenderen Staaten des Südens. Dort hat auch der Stuttgarter Edel-Autobauer Porsche sein US-Hauptquartier eingerichtet, ebenso wie die Siemens-Tochter Siemens One. Auch die Nachbarstaaten von Georgia verzeichnen einen starken Zuwachs deutscher und europäischer Unternehmen: Der Luft- und Raumfahrtkonzern EADS sowie das Chemieunternehmen Degussa unterhalten Niederlassungen in Alabama. Und mit dem BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina, sowie einem Bayer-Werk in North Carolina sind zwei weitere Weltfirmen aus Deutschland im Südosten der USA vertreten. Hinzu kommen zahlreiche kleine und mittelständische Unternehmen.

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