USA-Rüstungsgeschäfte
Die Speerspitze von EADS in den USA

Ralph Crosby ist seinem Ziel einen großen Schritt näher gekommen. Als der 60-Jährige vor sechs Jahren die Leitung von EADS–Nordamerika übernahm, wollte er die Rüstungsgeschäfte in den USA ausbauen. Spätestens seit dem Tankflugzeug-Deal hat Crosby gezeigt, wie wichtig er für den europäischen Flugzeugbauer ist.

DÜSSELDORF. Seine Mitarbeiter nannten ihn schon damals „Speerspitze in den USA“, als er zu der damals neu-strukturierten Division kam. Crosby, dessen Büro zwischen Weißem Haus und Pentagon in Washington liegt, profitierte vor allem von seiner gute Vernetzung. Bevor er bei EADS anheuerte, arbeitete der Harvard-Absolvent beim Rüstungskonzerns Northrop-Grumman, dem heutigen EADS-Partner beim Tankflugzeug-Projekt. Er verließ Northrop, weil sein Plan zum Aufstieg an die Konzernspitze gescheitert war.

Crosby wusste, dass er die Aufträge des US-Militärs nur gewinnt, wenn er die Interessen der amerikanischen Wirtschaft mit berücksichtigt. Seine Ankündigung vom vergangenen Dezember – EADS überlege einen Teil der Airbus-Produktion in die USA zu verlagern –, dürften dem Vertragsschluss jedenfalls nicht geschadet haben.

Wie wichtig für ihn der US-Markt ist, hat Crosby bei EADS von Anfang an betont: „Wir sind hier, weil hier das Geld ist.“ Seine Konkurrenz freilich verspottete ihn damals: „Der darf doch ohne Erlaubnis aus Paris nicht mal ein Croissant empfehlen“, lästerte ein ehemaliger Pentagon-Staatssekretär und Boeing-Lobbyist – der empfahl, Crosby „langsam zu zermürben.“ Dass EADS der Durchbruch auf dem US-Markt für Militärgerät unter seiner Führung gelingt, ist dennoch kein Zufall. Crosby studierte in Westpoint, der Kaderschmiede für US-Offiziere, diente beim Militär auch in Vietnam und beriet später die Reagan-Regierung. Bei EADS scharte Crosby dann etliche Ex-Militärs um sich.

Durch die Übernahme von Firmen wie Racal Defence hat Crosby, der auch in der EADS-Gesamtgeschäftsführung sitzt, den Boden bereitet, um von den Einkäufern des US-Militärs Ernst genommen zu werden. Das ist ihm wohl gelungen – wie der Tankflugzeug-Deal zeigt.

Sven Prange
Sven Prange
Handelsblatt / Ressortleiter Report und Namen
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