Utz Claassen streitet den Vorwurf der Staatsanwaltschaft wegen Bilanzfälschung vehement ab
EnBW-Chef zeigt mit dem Finger auf andere

Der Chef der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), Utz Claassen, wehrt sich entschieden gegen den Vorwurf der Bilanzfälschung. Die Staatsanwaltschaft stütze ihre Untersuchung auf objektive Fehler, ist Claassen überzeugt.

KARLSRUHE. „Ich bin die falsche Person und werde mit dem falschen Vorwurf und den falschen Fakten konfrontiert“, sagte Claassen im Gespräch mit dem Handelsblatt. Die Staatsanwaltschaft stütze ihre Untersuchung auf objektive Fehler. Die Ermittlungen bezögen sich auf die Neubewertung von Beteiligungen. Die verantworte nicht er, sondern Ex-Finanzvorstand Bernd Balzereit.

Der Konzernchef verweist dabei auf zahlreiche Dokumente, die er auch dem Handelsblatt vorlegte. Er bezieht damit erstmals persönlich Stellung zu dem Vorwurf der Bilanzfälschung. Seine Argumente will er auch heute auf der Hauptversammlung in Karlsruhe vortragen.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat Anfang März formelle Untersuchungen gegen Claassen eingeleitet. Die Behörde wirft dem Vorstandschef vor, die Bilanz des Jahres 2003 unrichtig dargestellt zu haben.

Claassen hatte, nachdem er im Mai 2003 den Chefsessel von Gerhard Goll übernommen hatte, die Bilanzmethoden des Ex-Vorstands scharf kritisiert und Beteiligungen drastisch abgewertet. Daraufhin leitete die Staatsanwaltschaft vor zwei Jahren ein Ermittlungsverfahren gegen Vorgänger Goll sowie die Ex-Vorstände Bernd Balzereit und Gerhard Jochum ein. Im Jahresabschluss 2003 wies EnBW schließlich einen Nettoverlust von 1,2 Mrd. Euro aus. Im Jahr zuvor, unter Golls Verantwortung, gab es nur einen Fehlbetrag von 45 Mill. Euro. 2004 schrieb EnBW wieder schwarze Zahlen.

Die Ermittlungen gegen Claassen beziehen sich darauf, wie die EnBW ihre Beteiligung an den Stadtwerken Düsseldorf abwertete. Der Impairmenttest, der dazu geführt habe, sei nachprüfbar korrekt, sagte Claassen. Dies sei mehrfach in Sitzungen des Vorstands und des Aufsichtsrates bestätigt worden. Die Ermittlungen richteten sich gegen die falsche Person. „Den Test hat eindeutig Balzereit zu verantworten“, sagt Claassen. Dieser streite das aber heute ab und habe so die Ermittlungen gegen ihn, Claassen, ins Rollen gebracht.

Claassen greift damit erstmals ein Mitglied der Ex-Konzernführung direkt an. „Der von mir geleitete Vorstand ist in zwei Jahren mit der Vergangenheit nicht schlecht redend, sondern extrem schützend und schonend umgegangen. Aber da ich inzwischen selbst Beschuldigter bin, kann ich mich nun leider nicht mehr schützend vor diejenigen stellen, die die Vergangenheit zu verantworten haben.“

Balzereit lehnte gestern auf Nachfrage einen Kommentar mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen ab. Auch die Angriffe gegen seine Person wollte er nicht kommentieren: „Jeder muss für sich wissen, was er für zweckmäßig hält.“ Auch die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht näher äußern. „Die Ermittlungen laufen noch“, sagte ein Sprecher.

Nach den Worten von Jürgen Wessing, Anwalt für Wirtschaftsstrafrecht, steht die Staatsanwaltschaft vor einer schweren Aufgabe: „Verfahren dieser Art enden fast nie mit einer Verurteilung, weil die Bewertungsspannen enorm groß sind.“ Einen Vorsatz nachzuweisen gelinge dann fast nie. Überraschend sei im vorliegenden Fall, dass dem Beschuldigten vorgeworfen werde, das Unternehmen schlecht zu reden. Wessing: „Normalerweise werden Bilanzen schöner und nicht hässlicher gemacht.“

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