Valeo und Safran
Das Kampfflugzeug auf Rädern

Der Autoausrüster Valeo und die Rüstungsschmiede Safran packen Elektronik aus dem Flugzeugbau in Autos. Durch die ungewöhnliche Kooperation entstehen ganz neue Perspektiven auf den Alltag. Doch es gibt auch Kritik.
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ParisVor dem Invalidendom in Paris läuft die junge Französin kurz an einer Kamera vorbei. „Sehen Sie, jetzt hat die Videokamera mich erfasst, nun prüft der Computer, ob ich auf der Liste gesuchter Personen stehe.“ Ein gelbes Dreieck mit schwarzem Ausrufezeichen poppt auf dem Bildschirm hoch: Die Safran-Mitarbeiterin ist enttarnt.

Stünde sie auf einer Fahndungsliste, dann ginge jetzt an einer Personenkontrolle der Alarm los. Der Rüstungs- und Turbinenhersteller Safran verkauft sein Überwachungssystem schon in viele Länder. Nun übernimmt es auch der Autozulieferer Valeo.

Was in aller Welt will der damit? „Wir bieten das den Autoherstellern an, um Fahrer zu identifizieren“, erklärt ein Ingenieur von Valeo. Nicht etwa, um eine Fahndungsliste zu aktivieren. Der Zweck ist vielmehr der, alle individuellen Einstellungen des Fahrzeugs vom Sitz bis zur Lautstärke des Radios automatisch anzupassen.

Aber es soll noch weitergehen: „Am Gesichtsausdruck des Fahrers kann man ablesen, ob er unkonzentriert oder übermüdet ist, wenn das der Fall ist, erfolgt eine Warnmeldung und später der nachdrückliche Hinweis, anzuhalten und eine Pause einzulegen.“ erfährt man. Die nächste Stufe ist vielleicht, dass bei sichtbarer Trunkenheit des Fahrers das Auto nicht mehr anspringt und lospöbelt: „Schlaf dich erst mal aus, du Alki!“

Vor 18 Monaten haben Safran und Valeo den Grundstein für ihre Kooperation gelegt. Valeo ist mit 12,5 Milliarden Euro Umsatz einer der größten Autoausrüster der Welt. Unter seinem Chef Jacques Aschenbroich hat er sich in den vergangenen Jahren auf drei Themen konzentriert, die besonders erfolgversprechend sind: Emissionsminderung, Leistungssteigerung und intuitives/autonomes Fahren.

Valeo wächst stark und will nun noch einen Gang zulegen: In den nächsten fünf Jahren soll der Umsatz auf 20 Milliarden Euro zulegen, das sind fünf Prozent mehr als die erwartete Expansion des Automarktes. Die Kooperation mit Safran soll dem Zulieferer dabei helfen, innerhalb sehr kurzer Zeit neue Produkte auf den Markt bringen zu können, die dieses Wachstum ermöglichen. Fortgeschrittene Valeo-Produkte wie Infrarot-Melder werden schon heute in Nobelkarossen von Mercedes und BMW eingebaut.

Am vergangenen Freitag haben Safran und Valeo ihre ersten Projekte der Presse vorgeführt. Als Rahmen haben sie das von Ludwig XIV. gebaute Hôtel des Invalides und dessen großzügigen Garten gewählt. In dem kann sogar ein autonomes Auto herumkurven, ein VW Passat, in den sich die beiden Chefs Jean-Paul Herteman und Jacques Aschenbroich wieder und wieder reinsetzen müssen, bis auch der letzte Kameramann glücklich ist.

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