Vanguard AG

Von Räubern und von Ausgeraubten

Er war Unternehmer des Jahres – jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Robert Schrödel wegen Blianzmanipulation. Sein Kampf um Reputation und Firma ist neu – und zugleich erschreckend: Erstmals macht ein Unternehmer per Internet-Blog ungeniert Stimmung für sich und gegen andere. Und er verhilft zudem so genannten „räuberischen Aktionären“ zu einem neuen Betätigungsfeld.
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Quelle: Pressebild

BERLIN. Das Reich des Robert Schrödel ist eine optische Täuschung. Schwarze Mähne, lange Beine, die erste öffnet die Tür, die zweite, in Blond, schüttelt sanft die Hand, eine Farbige tänzelt sodann voraus in den Konferenzraum. Wüsste man es nicht besser, man würde sich in einer Model-Agentur wähnen.

Berlin, Unter den Linden 10: Umrahmt von Ferrari-Shop und Daimler-Erlebniswelt versuchten sich einst die Redakteure des Magazins Vanity Fair erfolglos am Umgang mit Klatsch und Tratsch und Star-Geschichten. Nun versucht sich hier Robert Schrödel, einst "Unternehmer des Jahres", in dessen Beteiligungsfirma Berlex AG all diese Frauen anzutreffen sind, als prominentes Opfer, das sich gegen Klatsch und Tratsch wehren muss.

Andere sagen: Robert Schrödel ist kein Star, und um Gerüchte geht es schon gar nicht. Schrödel, sagen sie, ist ein gewöhnlicher Krimineller. Ein Bilanztrickser.

Und damit sind wir schon mitten in einer Räuberpistole, die mittlerweile nicht nur die Justiz beschäftigt, sondern deren Auseinandersetzung zugleich so anders ist, dass sie der unternehmerischen Streitkultur in Deutschland eine bisher unbekannte Variante hinzufügen wird. Eine Unschöne kann man sagen.

Eine, die noch vielen deutschen Unternehmen blühen könnte.

Eine neue Marktlücke für "Berufskläger"

Starten wir mit dem heutigen Montag. Heute findet in Berlin die Hauptversammlung des Gesundheitsdienstleisters Vanguard AG statt. Es ist Schrödels ehemaliges Unternehmen. Ende April wurde er vom Aufsichtsrat hinausgeworfen.

Doch das wäre keine einzige Zeile wert, würde Schrödel den Kampf um seine einstige Firma nicht äußerst erbittert führen. Erstmalig versucht ein Unternehmer über einen Internet-Blog, betrieben von seinem PR-Berater, ungeniert Stimmung zu machen für sich und gegen andere. Und er weiß sich dabei zusätzlich eine Spezies zunutze zu machen, die die Bundesregierung schon per Gesetz ausgerottet glaubte - Experten nennen sie "räuberische Aktionäre" oder "Berufskläger". Für sie könnte sich eine neue Marktlücke auftun.

Einer von ihnen ist Karsten Trippel aus Großbottwar. Wir werden ihn später noch kennen lernen. Er sagt: "Da fühle ich mich in keiner Weise angesprochen." Und: "Ich habe von Robert Schrödel kein Geld bekommen."

Zunächst aber tritt auf: Ein teuer gekleideter Mann um die 50 mit etwas zu langem Haar und getönten Brillengläsern. 2007 verliehen die Unternehmensberater von Ernst & Young Robert Schrödel den Preis "Entrepreneur des Jahres." Zwei Jahre später schreiben sie in einem mehrere hundert Seiten dicken Bericht, Schrödel habe seine einstige Firma, die Vanguard, aufgepumpt - mit Luftbuchungen und gefälschten Darlehnsverträgen.

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7 Kommentare zu "Vanguard AG: Von Räubern und von Ausgeraubten"

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  • ich finde den Artikel sehr reißerisch und damit ungewohnt, weil das Handelsblatt sonst irgendwie objektiver, weniger emotional und neutraler schreibt. Weil ich heute schon etwas bei Xing zu Thema PR und Meinungsbildung gelesen habe: https://www.xing.com/net/presse/

    Vielleicht passt das ja dazu?

  • @Realist -oder besser, Pessimist?

    ich sprach von sachlichem Journalismus. Unsachlicher, als jemanden wegen seines Äußeren zu be- und verurteilen kann man m.E. gar nicht werden. Von der intellektuellen beschränktheit solcher individuen ganz zu schweigen.
    So, wie ich mich als „Farbige“ am Wochenende im Regentanz übe und mein Onkel mit den Dreadlocks jeden Abend ne Tüte raucht.
    Na klar. Wer in solchen Schubladen denkt, der braucht sich nicht Journalist schimpfen.

  • @ Farbklecks

    Man kann eine Lebenseinstellung auch an vermeintlichen Äußerlichkeiten erkennen!

    Klar, alles nur ein Vorurteil! Stimmt!

    Der Haken ist nur, dass diese Vorurteile zu etwa 99,99 % die Realität exakt treffen ....!

  • ich wüsste nicht, was die Länge der Haare oder das Aussehen der Mitarbeiter mit sachlichem Journalismus zu tun hätten. Wahrscheinlich sind Sie von intelligenten und zugleich schönen Menschen sowas von eingeschüchtert, dass Sie diese zum Thema ihrer unüberlegten Ergüsse machen müssen.
    Es grüßt
    die tänzelnde Farbige
    - was heißt eigentlich farbig?? gelb, lila oder vielleicht doch blau gepunktet?
    Das ist der pure Rassismus und Sexismus. Vielleicht werden Sie jetzt rot im Gesicht - wer ist hier dann farbig??

  • Das Ganze ist doch recht einfach zu verstehen:

    Wer sich nicht mittels gewaltiger betrügereien nach oben katapultiert KANN gar nicht Unternehmer des Jahres oder so werden! (Mit normalen Mitteln schafft man das nicht! igrend ein gauner ist immer besser!

    Die meisten Anderen werden nur nicht erwischt...! Aber viele dann eben doch!

  • Werden manche Kommentare hier nicht freigeschaltet?

    Wie ich eben schon geschrieben habe, klingt die ganze Geschichte nach einer Räuberpistole. Fast bekommt man den Eindruck, dass der Redakteur da noch eine offene Rechnung mit jemanden hat. Wenn man genau liest und die Vorzeichen umkehrt, könnte die Geschichte auch genau anders herum erzählt werden.

  • Guten Tag.... Wie so oft werden die groessen idioten mit Lametta und Konfetti beworfen; jedoch ein paar Jahre spaeter kriegen sie das was wir alle irgendwann bekamen oder noch bekommen. Einen saftigen Tritt in den Hintern. Und das ist gut so. besten Dank.

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