
STOCKHOLM. „Ja, wir haben uns in eine Vertrauenskrise hineinmanövriert“, gab Josefsson gestern in einem ganzseitigen offenen Brief in der größten schwedischen Tageszeitung „Dagens Industri“ zu. Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel, Brunsbüttel und im schwedischen Ringhals haben ihm schwer zugesetzt, wie er selbst zugibt. „Es gibt Defizite in der Sicherheitskultur von Vattenfall in Deutschland und Schweden, und es gibt berechtigte Kritik an uns, was die Atomkraftwerke betrifft“, schreibt der Chef des viertgrößten europäischen Energiekonzerns.
Die Störfälle in Krümmel und Brunsbüttel hat er unterschätzt
Späte Einsicht – oder Flucht nach vorn? Es ist nach Ansicht von engen Mitarbeitern beides. Der stets besonnen auftretende Josefsson hat die Zwischenfälle in den deutschen Kernkraftwerken unterschätzt, ist womöglich zu sehr von schwedischen Verhältnissen ausgegangen, wo Störfälle in aller Regel kaum länger diskutiert werden. Josefsson hat Fehler gemacht, vor allem in Deutschland, wo sich die Konzerntochter nach den Störfällen von Krümmel und Brunsbüttel um Kopf und Kragen schwieg und die Zentrale in Stockholm tatenlos zusah. Er scheint es eingesehen zu haben. „Wir sind uns dessen bewusst“, schreibt er. Und kommt dann zum Wesentlichen: „Wir empfinden Demut gegenüber dem schwedischen Volk, unserem obersten Auftraggeber.“
Für Josefsson ein glatter Bewusstseinswandel: Denn in den vergangenen Jahren hat er sich immer stärker als Konzernchef eines börsennotierten Unternehmens präsentiert, hat eifrig zugekauft und aus einem recht verstaubten nationalen Stromversorger einen multinationalen Riesen mit Töchtern in Deutschland, Polen und den Niederlanden gebaut. Dabei blieb immer stärker die Erkenntnis auf der Strecke, dass er eigentlich nur der energiepolitische Erfüllungsgehilfe der schwedischen Regierung ist.
Wie lange kann er sich noch halten?