Vattenfall
Schweden machen Krümmel zur Chefsache

Der schwedische Vattenfall-Mutterkonzern macht die Aufarbeitung der Pannenserie im Atomkraftwerk Krümmel zur Chefsache. In der Aufarbeitung der Störfälle könnten nicht nur einige Köpfe rollen – die gesamte Branche hat einen massiven Imageschaden zu verbuchen. Atomkraft-Befürworter haben es dieser Tage nicht leicht.

HB FRANKFURT. „Ich bekomme tägliche Zwischenberichte und verfolge den Fall persönlich“, sagte Konzernchef Lars Göran Josefsson, der auch Klimaschutzbeauftragter von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist, der „Berliner Zeitung“ (Montagausgabe). Personelle Konsequenzen schloss er nicht aus: „Für solche Entscheidungen ist es aber noch zu früh.“

Der Energiekonzern gerät derweil auch in der eigenen Branche immer mehr unter Druck. RWE Power und Eon äußerten sich am Wochenende ebenso wie Atombefürworter in der Politik besorgt über eine Diskreditierung der Atomenergie insgesamt. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderte im selben Blatt die Abschaltung von Krümmel, um die Zukunft der Atomenergie zu sichern. Der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) verlangte in der „Bild am Sonntag“ trotz Kritik an Vattenfall eine Abkehr vom Atomausstieg. SPD-Chef Kurt Beck bekräftigte sein Festhalten daran. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel riet den Energiekonzernen in der „Sächsischen Zeitung“ (Montagausgabe) zum schnellen Abschalten der Altmeiler.

In Presseberichten wurde über Konsequenzen bei Vattenfall spekuliert - von personellen Veränderungen bis hin zum Ausstieg aus den Atommeilern Krümmel und Brunsbüttel. Vattenfall dementierte Pläne über einen solchen Ausstieg. In einem Zwischenbericht zur Schnellabschaltung am 28. Juni räumte das Unternehmen ein Missverständnis zwischen Mitarbeitern des Kraftwerks Krümmel ein. Der Atommeiler steht seit dem Brand still. Zur weiteren Aufklärung des Störfalls in Krümmel vom 28. Juni werden am (morgigen) Montagnachmittag der Schichtleiter, der Werksfahrer sowie zwei weitere Beschäftigte von der Kieler Atomaufsicht befragt. Das AKW Brunsbüttel, das am selben Tag notabgeschaltet worden war, wurde dagegen am Freitag nach der Spülung eines Messsystems wieder hochgefahren.

„In der kommenden Woche wird es Konsequenzen der verschiedensten Art geben“, berichtete die „Welt am Sonntag“ unter Berufung auf Konzernkreise in Stockholm. Der Berliner „Tagesspiegel am Sonntag“ berichtete von weit reichenden Veränderungen im Organisationsablauf des deutschen Unternehmens, die in der neuen Woche beschlossen werden sollten.

Zu einem „Spiegel“-Bericht über einen Ausstieg aus Krümmel und Brunsbüttel erklärte Vattenfall: „Eine Übertragung unserer Anteile oder unserer Betreiber-Lizenz auf Eon steht nicht auf der Tagesordnung.“ Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben an den Kernkraftwerken Brokdorf mit 20 Prozent, an Brunsbüttel mit 66,6 Prozent und an Krümmel mit 50 Prozent beteiligt. Die jeweils anderen Anteile hält Eon.

Ein Sprecher des Energieversorgers RWE Power sagte der AP: „Wir haben die Befürchtung, dass der ein oder andere die gegenwärtige Entwicklung nutzt, um die Kernenergie in Gänze zu diskreditieren.“ E.ON-Sprecher Jens Schreiber sagte auf AP-Anfrage, die Vorfälle hätten „nicht dazu beigetragen, das inzwischen wieder deutlich verbesserte Image der Kernkraft weiter zu festigen“.

Die „Berliner Zeitung“ berichtete von „massiver Verärgerung“ bei RWE und Eon. Angesichts der aktuellen Debatte gebe man den beantragten Laufzeitverlängerungen für die Meiler Biblis A, Brunsbüttel und Neckarwestheim 1 nun so gut wie keine Chance mehr. Bundesumweltminister Gabriel sagte, die Vorfälle in Brunsbüttel und Krümmel seien „jedenfalls keine Werbeveranstaltungen für die Verlängerung von AKW-Laufzeiten“.

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