Vattenfalls verlorenes Vertrauen
Ruft! Uns! An!

Nach den Pannen in den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel steht Vattenfall in der Öffentlichkeit schlechter da denn je. Dem Stromkonzern laufen die Kunden in Scharen davon. Nun sucht er den Dialog, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen. Ein Besuch im Service-Center.

HAMBURG. „Worte, nichts als Worte“ – als Marlene Süper* an diesem Morgen die Zeitung aufschlägt, vergeht ihr die gute Laune. „Vattenfall stellt sich Ihren Fragen“, steht da in riesigen, honiggelben Lettern. In einer ganzseitigen Anzeige wirbt der Versorger um Vertrauen. „Ich glaub’ denen kein Wort“, sagt die junge Hamburgerin. Kürzlich hat sie ihren Stromlieferanten gewechselt, da flatterte ihr glatt wieder ein Brief von Vattenfall ins Haus. Es sei um die Leitungen gegangen, durch die der Strom ihres neuen Lieferanten „Lichtblick“ fließt. Die gehören immer noch Vattenfall. „Das war der totale Schock“, schimpft Süper. „Mit denen wollte ich nun echt nichts mehr zu tun haben“ – wie so viele Verbraucher in diesen Tagen.

Nach den Pannen in den Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel steht Vattenfall Europe, Tochter der schwedischen Vattenfall AB und Deutschlands drittgrößter Stromanbieter, in der Öffentlichkeit schlechter da denn je. Zwar mussten der Vorstandsvorsitzende von Vattenfall Europe, Klaus Rauscher, der Atom-Vorstand Bruno Thomauske wie auch der Leiter der Konzernkommunikation, Johannes Altmeppen, ihren Hut nehmen – doch der personelle Kehraus konnte eines nicht verhindern: Seit Juni dreht sich die Kündigungsspirale immer schneller.

Innerhalb eines knappen Jahres haben inzwischen gut 100 000 Haushalte ihre Verträge gekündigt – so weit die offizielle Darstellung des Unternehmens. Intern ist sogar schon von 200 000 Fahnenflüchtigen die Rede, bei insgesamt 2,7 Millionen Kunden in Deutschland beileibe kein Pappenstiel.

Nun steuert das Management massiv gegen. „Wir haben Sie nicht offen und umfassend genug informiert. Das werden wir in Zukunft besser machen“, heißt es in der bundesweiten Anzeigenkampagne. Seit gut drei Wochen leistet das Unternehmen öffentlich Abbitte und sucht den Dialog.

Dabei sind die Vorfälle in den Kernkraftwerken nicht die einzigen Brandherde. Tatsächlich ist gleich an mehreren Stellen Feuer unterm Dach – oder wie es der neue Vattenfall-Europe-Chef Hans-Jürgen Cramer gegenüber Führungskräften ausdrückte: Es gebe „eine Reihe offener Flanken“.

Seite 1:

Ruft! Uns! An!

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%