VDMA-Gipfel
Maschinenbauer fordern Milliarden für das Datennetz

Die Maschinenbauer halten ihre Produktion auf Rekordkurs. Die deutsche Schlüsselindustrie fordert von der neuen Bundesregierung aber bessere Rahmenbedingungen – und mehr Investitionen in die digitale Infrastruktur.
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BerlinDer jüngste politische Querschuss ist gerade mal ein paar Tage alt: Ende vergangener Woche kündigte US-Präsident Donald Trump einen verschärften Kurs gegenüber Iran an – erneute Sanktionen nicht ausgeschlossen. Die deutschen Maschinenbauer reagierten gelassen auf die Drohgebärden aus Washington, obwohl sie doch große Hoffnungen in eine Wiederbelebung der traditionell guten Wirtschaftsbeziehungen zu Teheran gesetzt hatten.

„Die USA haben gepoltert, aber noch nicht geschossen“, sagte der Präsident des Branchenverbandes VDMA, Carl Martin Welcker, am Dienstag in Berlin beruhigend. Viel problematischer für die deutsche Schlüsselbranche seien zu wenige Bankverbindungen mit dem Iran: „Es lässt sich keine Finanzierung finden, die Sie für solche Geschäfte brauchen.“

Welckers recht entspannte Grundhaltung fußt in der Erfahrung der jüngsten Zeit, mit vielen politischen Krisen bestens fertig geworden zu sein: Schließlich erwarten die Maschinenbauer für das laufende Jahr ein Produktionsplus von drei Prozent. Im kommenden Jahr sollen es noch einmal so viel sein - mindestens. Und das, obwohl überall auf der Welt die politischen Wirrnisse zunehmen: Brexit, Türkei-Krise, Nordkorea, Russland-Sanktionen, neuer Nationalismus in Polen und Ungarn, wachsender Protektionismus – es gab Zeiten, da hätte jede einzelne dieser schlechten Nachrichten die Stimmung bei den Kunden nachhaltig verdorben.

Dass es inzwischen nicht mehr so ist, schreibt Welcker der gewonnenen Flexibilität seiner Branche zu: „Wir spüren solche Krisen schon, kompensieren das aber an anderen Stellen der Welt“, sagte er anlässlich des 9. Maschinenbaugipfels in der Hauptstadt. „Was wir beispielsweise in Russland verlieren, holen wir uns auf den Philippinen oder Thailand.“ Allerdings gebe es dafür Grenzen. „Politisch getriebene Eingriffe bleiben gefährlich,“ warnte der VDMA-Präsident mit Blick auf die Weltpolitik, es bloß nicht zu übertreiben.

Insgesamt läuft das Geschäft der mittelständisch geprägten Branche mit mehr als einer Million Beschäftigten inzwischen auf Hochtouren. Im Sommer lag die Kapazitätsauslastung erstmals seit 2012 wieder über dem langjährigen Durchschnitt, hieß es zuletzt beim VDMA. Deutsche Maschinenbauer spielen in nahezu allen Zweigen der Branche eine wichtige Rolle auf dem Weltmarkt. In 14 Teilbranchen wie etwa Antriebs- oder Fördertechnik, Werkzeugmaschinen oder Landtechnik belegen die Unternehmen Spitzenpositionen.

Damit das so bleibt, sollen die politischen Rahmenbedingungen an den heimatlichen Standorten verbessert werden – und da meldete der Verbandspräsident und mittelständische Unternehmer Welcker einen Tag vor Beginn der Sondierungsgespräche zu einer Jamaika-Koalition zwischen Union, FDP und Grünen schon mal seine Forderungen an eine künftige Bundesregierung an. Im Mittelpunkt stehen mehr Investitionen, insbesondere in die digitale Infrastruktur. Welcker forderte hier den energischen Aufbau eines flächendeckenden Glasfaserkabelnetzes.

Die neue Regierung solle allein hierfür rund 40 Milliarden Euro in der kommenden Legislaturperiode bereitstellen. Für eine Branche, die gerade viele neue Geschäftsmodelle rund um die Digitalisierung entwickelt und weltweit Anlagen baut, die untereinander zum Austausch von Daten vernetzt sind, sind leistungsfähige Glasfasernetze entscheidend im globalen Wettbewerb. „Gerade die mittelständischen Betriebe, die häufig nicht in Ballungszentren angesiedelt sind, brauchen hier dringend eine wesentlich bessere Unterstützung von Kommunen und großen Anbietern wie der Deutschen Telekom“, sagte Welcker.

Der VDMA-Präsident nahm die Politik auch bei einer staatlichen Forschungsförderung und einer stärkere Flexibilität am Arbeitsmarkt in die Pflicht. Vor allem die Einschränkung der Zeitarbeit und von Werkverträgen ist ihm ein Dorn im Auge, ebenso wie die tarifvertragliche Regelung, dass alle Auszubildenden übernommen werden müssten. So habe sein Unternehmen, der Kölner Werkzeugmaschinenbauer Alfred Schütte, eine Ausbildungsquote von knapp elf Prozent, brauche aber nur rund ein Viertel davon. „Da muss man sich schon fragen: Ist das noch sinnvoll?“

Reformen dürften nicht immer zu einem Mehr an staatlichen Vorgaben führen, weder in Deutschland, noch in Europa. „Genauso energisch lehnen wir eine Abschottung Deutschlands ab“, sagte Welcker, dessen Branche in Teilen 80 Prozent und mehr ihrer Produkte ins Ausland verkauft. Er warnte eindringlich vor protektionistischen Tendenzen. „Der Maschinenbau und die gesamte deutsche Industrie lebt von ihrer Weltoffenheit – jede Kehrtwende hier würde unserer Gesellschaft und unserem Wohlstand schaden.“

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