VDMA senkt trotz Auftragsplus Jahresprognose
Maschinenbau erwartet weiteren Arbeitsplatzabbau

Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer haben im Juli deutlich mehr Aufträge als im Vorjahr erhalten, rechnen aber dennoch mit einem Produktionsrückgang im Gesamtjahr. Für 2004 hofft der Branchenverband VDMA wieder auf ein leichtes Wachstum.

Reuters BERLIN. Nach den schwachen Vormonaten verbuchte die Branche im Juli nach VDMA-Angaben vom Donnerstag einen Anstieg der Bestellungen um zehn Prozent. Dies bedeute jedoch trotz des zuletzt besseren Geschäftsklimas noch keine Trendwende. „Wir glauben, dass wir dieses Jahr nicht mit plus Null oder leicht darüber abschneiden, sondern, dass wir dieses Jahr wieder ein Minus von zwei Prozent haben werden“, sagte VDMA-Präsident Diether Klingelnberg in Berlin, der bisher mit einer „schwarzen Null“ gerechnet hatte. Seine konkrete Prognose für 2004 will er erst in vier bis sechs Wochen vorstellen.

Der VDMA rechnet nach einem vorübergehenden Rückgang des Euro-Kurses auf 1,00 bis 1,05 Dollar bis Ende dieses Jahres mit einem Anstieg auf 1,25 Dollar. Klingelnberg rief die Firmen auf, sich gegen Wechselkursschwankungen abzusichern. Die Branche sei allerdings von kurzfristigen Schwankungen kaum betroffen.

Branche vorsichtig optimistisch für 2004

Für das kommende Jahr zeigte sich der Verband vorsichtig optimistisch und hofft auf ein etwas besseres Ergebnis. „Ich glaube nicht, dass es negativ sein wird“, sagte Klingelnberg zum Wachstum 2004. Dies sei aber noch sehr schwer abzuschätzen. Die konkrete Prognose werde man in den nächsten Wochen vorlegen. „Wir wollen Ihnen eine verlässliche Zahl geben, die hoffentlich über der Null liegen wird“, sagte er vor Journalisten.

Die Auslandsnachfrage, die zwei Drittel der Branchenaufträge ausmacht, legte im Juli bei den Maschinen- und Anlagenbauern um zehn Prozent zu. „Das Inlandsgeschäft stieg überraschend deutlich um neun Prozent gegenüber dem äußerst mageren Vorjahresniveau“, teilte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) mit und führte das positive Ergebnis vor allem auf Großaufträge zurück. Im weniger schwankungsanfälligen Dreimonatsvergleich Mai bis Juli ergebe sich im Vorjahresvergleich ein Minus von einem Prozent. „Für die ersten sieben Monaten insgesamt bleibt die Lage enttäuschend, die Bestellungen verfehlten ihr Vorjahresniveau um ein Prozent“, sagte Klingelnberg.

Mangelnde Investitionsbereitschaft

Problematisch für die Branche ist nach Worten des VDMA-Chefs vor allem die mangelnde Investitionsbereitschaft im Inland. Zudem sei eine Erholung erst 2004 zu erwarten. „Wenn ein Aufschwung kommt, wird er nach unserer Meinung schwach und wird keinesfalls zu einem Beschäftigungsaufbau führen, eher den gegenwärtigen Beschäftigungsabbau etwas verlangsamen.“ Nach einem Verlust von 20.000 Arbeitsplätzen in der Branche in den ersten sechs Monaten rechnet Klingelnberg für das zweite Halbjahr mit einem weiteren Rückgang um 10.000 auf dann rund 875.000 Stellen. Bis Ende 2003 werde die Zahl der Insolvenzen um ein Fünftel zum Vorjahr steigen.

Klingelnberg forderte mehr Reformen, da der Stillstand in der Politik quer durch alle Parteien zum Standortrisiko Nummer Eins für die Wirtschaft in Deutschland geworden sei. Zudem sei es schwierig, die Produktion der Branche im Inland zu halten. Jeder zweite Maschinen- und Anlagenbauer plane bereits, künftig mehr im Ausland zu produzieren. Ursachen dafür seien vor allem die Höhe der Steuern und Abgaben, steigende Personalzusatzkosten sowie das „überaus starre Arbeitsmarktkorsett“.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%