VDMA-Studie
Maschinenbau ändert seine Strategie

Kaum eine deutsche Branche wurde von der Krise so hart getroffen wie der Maschinenbau. Die Auftragseingänge fielen zwischen Sommer 2008 und Winter 2009 um fast 40 Prozent, die Produktion brach um ein Viertel ein. Doch inzwischen hat sich die Branche überraschend schnell erholt und meldet beeindruckende Wachstumsraten.
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DÜSSELDORF. Doch die Unternehmen haben ihre Lehren aus der Krise gezogen. "Für uns gibt es kein simples ,Weiter so', sagte der Präsident des Branchen-Verbands VDMA, Thomas Lindner, bei der Vorstellung einer Studie zu den Lehren aus der Krise. Mehr als die Hälfte der befragten knapp 500 Maschinenbauer haben ihre Strategien mit Blick auf Märkte, Kunden, Produkte und Kernkompetenzen geändert oder planen das zumindest. Dies hält Lindner auch für nötig. Denn die Zyklen im Maschinenbau würden kürzer und heftiger. "Wer sich hier nicht schnell anpasst, ist in seiner Existenz gefährdet."

Karl Lichtblau vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln Consult ergänzte: "Die Lehren aus der Krise sind für den Maschinenbau offensichtlich - mehr Innovationen, größere finanzielle Reserven und höhere Flexibilität." Bei der Befragung, so Lichtblau, habe sich gezeigt, dass 30 Prozent der kleineren und 41 Prozent der größeren Maschinenbauer eine Offensivstrategie für den besten Weg halten, um künftig Krisen zu vermeiden.

Finanzielle Reversen nötig

Dazu zählten die Stärkung der Innovationskraft, etwa die Entwicklung neuer Produkte und der Einsatz neuer Technologien, und Maßnahmen zur Förderung von Mitarbeitern. "Neue Produkte und neue Technologien sind aus Unternehmenssicht der beste Krisenschutz", sagte Lichtblau. Nur 13 Prozent der Unternehmer halten eine defensive Strategie für richtig. Sie wollen die Kapazitäten verringern und vorsichtiger investieren.

Für kleinere Firmen ist der Aufbau finanzieller Reserven künftig besonders wichtig. "Viele Unternehmen haben in der zurückliegenden Krise äußerst negative Erfahrungen mit den Banken gemacht", sagte VDMA-Präsident Lindner. "Deshalb streben sie jetzt danach, sich von den Banken unabhängiger zu machen und weitere finanzielle Ressourcen aufzubauen." Ist dies aus eigener Kraft nicht möglich, denken die Unternehmer auch über eine befristete Hereinnahme von Beteiligungskapital nach.

Der Studie zufolge war die Krise nur eine Wachstumspause aber kein Strukturbruch. Die Erfolgsfaktoren aus der Zeit vor der Krise werden auch die Erfolgsfaktoren der Zukunft sein: Internationalisierung, Know-how, Netzwerke.

Zwei Drittel der kleinen und drei Viertel der großen Maschinenbauer wollen ihren Auslandsumsatz ausbauen. Dazu gehöre auch eine stärkere Produktion im Ausland mit mehr Mitarbeitern. "Die heute dominierende Exportstrategie wird durch den Aufbau ganzer Wertschöpfungskketten im Ausland ergänzt", sagte Lichtblau. "Es ist besser, selbst in die Höhle des Löwen zu gehen als zu warten, bis der Löwe zu einem selbst kommt."

Wachstum werde zunehmend in Asien erzielt, deshalb müssten die Unternehmen dort stärker präsent sein. Das gelte auch für Einkauf, Produktion und Entwicklung. Nach den Ergebnissen der Studie erwarten 40 Prozent der größeren Maschinenbauer, dass in fünf Jahren ihre Hauptkonkurrenten aus den Schwellenländern kommen. Heute seien es erst 20 Prozent.

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