VDMA-Zahlen
Maschinenbau: Größter Einbruch aller Zeiten

Der deutsche Maschinenbau spürt nichts von einer Trendwende, im Gegenteil: Im April gingen die Aufträge im Vergleich zum Vorjahresmonat um 58 Prozent zurück. So einen derben Einbruch gab es noch nie. Deutschlands Paradedisziplin wackelt immer mehr.

HB FRANKFURT. Der deutsche Maschinenbau hat im April einen neuen Tiefpunkt erreicht. Die Bestellungen gingen binnen eines Jahres um weit mehr als die Hälfte zurück. Die Branche lässt sich dennoch den Mut nicht nehmen. „Die Hoffnung besteht weiter, dass wir zur Jahresmitte den Boden erreicht haben“, sagte der Chefvolkswirt des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Ralph Wiechers. Seine Zuversicht schöpft er aus den Frühindikatoren.

Um 58 Prozent waren die Bestellungen im April gefallen. Vor allem die ausländischen Kunden hielten sich zurück. „Das ist der schlimmste Einbruch, den wir jemals hatten“, sagte Wiechers. Ein starker Vergleichszeitraum mit vielen Großaufträgen und der ungünstige Termin des Osterfests verstärkten den ohnehin vorhandenen Abwärtstrend. Während sich Fahrstühle und Aufzüge noch vergleichsweise gut verkaufen ließen, bekamen die Ausrüster der angeschlagenen Stahl- und Autoindustrie fast gar keine Aufträge mehr.

Ab Mai, so hofft der Branchenverband, ist die Talfahrt zu Ende. Er begründet seine Erwartungen im Wesentlichen mit den abgebauten Lagern, den rückläufigen Stornierungen und den anlaufenden Konjunkturprogrammen. „Die Jahresprognose steht“, betonte Wiechers. Der VDMA rechnet damit, dass die Produktion in diesem Jahr um zehn bis 20 Prozent schrumpft. Wiechers deutete an, dass eher der schlechtere Wert erreicht werden dürfte. Die Folgen für die Belegschaften sind drastisch: Zehntausende Menschen sind in Kurzarbeit, bis zum Jahresende kalkuliert der Verband mit 25 000 wegfallenden festen Arbeitsplätzen. Ein großer Teil der Leiharbeiter musste bereits gehen.

Mit fast einer Mio. fest Angestellten zählt der Maschinenbau zu den größten Arbeitgebern im Land und zu den wichtigsten Industriezweigen. Auf einen fünf Jahre anhaltenden Boom folgte der jähe Absturz. Seit Mitte vergangenen Jahres gehen die Auftragseingänge zurück. Zu Beginn dieses Jahres verschärfte sich die Situation. Auf den Zweigen Infrastruktur, Energieerzeugung, Energieeffizienz und Umwelttechnologie ruht nun die Hoffnung der Maschinenbauer auf eine baldige Besserung. Besonders aus Asien sollen dabei die Aufträge kommen.

Im März war der der Auftragseingang im um 35 Prozent zurückgegangen, im Februar hatte das Minus noch bei 49 Prozent gelegen. Damals betonte der VDMA, dass es noch keinen Grund zur Entwarnung gäbe.

Vor Beginn der aktuellen Probleme hatte die Branche mit einem fünfjährigen Aufschwung geglänzt. Bis April 2008 hatten die Bestellungen Monat für Monat mit meist zweistelligen Raten zugelegt. Deshalb dürfte es auch in diesem Monat noch prozentual hohe Rückgänge bei den Auftragseingängen geben, da die Werte mit den noch guten Zahlen des Vorjahres verglichen werden. VDMA-Chefvolkswirt rechnet erst von der Jahresmitte an mit weniger drastischen Einbrüchen beim Auftragseingang. Seit Oktober 2008 dominieren zweistellige Minusraten.

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