Vedes trennt sich von Vertriebsvorstand
Spielwarenbranche findet keinen Weg aus der Krise

Die Spielwarenmesse in Nürnberg beginnt heute bei frühlingshaften Temperaturen. In der Branche weht allerdings ein eisiger Wind: „Es herrscht ein brutaler Verteilungskampf“, sagte gestern Andreas Schmitt, Marketing-Chef des Fürther Spielwarenproduzenten Simba Toys. Mit immer aggressiveren Methoden versuchen Handel und Hersteller, sich Anteile in dem seit Jahren stagnierenden Markt zu sichern.

NÜRNBERG. Der harte Wettbewerb forderte gestern ein prominentes Opfer. Vedes, Europas größter Spielwarenhändler, trennt sich von Vertriebsvorstand Ursula Lindl. Erst vergangene Woche hatte Lindl dem Handelsblatt gesagt, dass auch 2003 Umsatz und Gewinn zurückgegangen seien. Schon in den Jahren zuvor musste der Nürnberger Einkaufsverbund kräftige Einbußen hinnehmen.

Doch Vedes steht mit seinen Problemen nicht allein da. Selbst die erfolgsverwöhnte Spielwarenindustrie von Hongkong kam im vergangenen Jahr nicht vom Fleck. Die Umsätze seien lediglich um 2 % gestiegen, sagte gestern Daniel Lam, Deutschland-Chef der Wirtschaftsförderung von Hongkong. Um das schmale Wachstum zu erreichen, kam den Asiaten vor allem der starke Euro zu Hilfe. Die Spielzeugfirmen aus Hongkong dominieren zusammen mit ihren Partnern aus China den Markt: Drei Viertel aller Spielwaren weltweit stammen aus ihren Fabriken.

Nach Angaben der Marktforscher von Eurotoys legte das Geschäft mit traditionellem Spielzeug in Deutschland 2003 zwar um 0,6 % auf 2,4 Mrd. Euro zu. Nach Ansicht von Ravensburger-Chef Karsten Schmidt waren für das leichte Wachstum aber lediglich einige wenige Trendartikel verantwortlich. „Sonst wäre der Markt geschrumpft“, sagt Schmidt. Wie viele andere Hersteller klagt der Ravensburger-Chef vor allem über die Rabattschlacht in den Läden: „Der Handel hat auf die Konsumflaute unglaublich aggressiv reagiert. Wir sehen das mit großer Sorge.“ So hat Vedes schon im November – also lange vor dem Weihnachtsgeschäft – mit Nachlässen von 19 % geworben. Schmidt: „Wenn das so weitergeht, sägen Handel und Industrie den Ast ab, auf dem sie sitzen.“

Markenanbieter wie Big bekamen die Auswirkungen der Konsumflaute bitter zu spüren. Beim Hersteller der bekannten Rutschautos „Bobby-Car“ gingen die Einnahmen nach eigenen Angaben zurück. Details nannte die Firma allerdings nicht. Derzeit steht das Familienunternehmen zum Verkauf.

Doch es gibt auch Firmen, die sich der Flaute entziehen konnten. Bei Playmobil seien die Umsätze wie schon im Vorjahr gestiegen, betonte eine Sprecherin. Und auch Ravensburger hat sich gut geschlagen. Deutschlands größter Spieleverlag steigerte den Umsatz um 1,2 % auf 257,6 Mill. Euro. Zudem sei der Gewinn geklettert, sagte Ravensburger-Chef Schmidt. Bei Simba lege der Umsatz um 4 % auf 277 Mill. Euro zu.

Dass sich die Situation in der Branche in nächster Zeit grundlegend verändert, glaubt zwar niemand. Doch Produzenten und Händler sind zuversichtlich, dass 2004 zumindest besser wird als das Vorjahr. Daniel Lam von der Wirtschaftsförderung Hong-Kong: „Schon gegen Ende des Jahres 2003 hat das Geschäft angezogen. Deshalb erwarten wir, dass das laufende Jahr ein deutliches Wachstum bringt.“

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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