Veltins mit Sportwagen-Image
Porsche bringt Bierkästen in Fahrt

Porsche will nicht einfach nur Sportwagen bauen. Porsche soll zur allumfassenden Luxusmarke werden. Deshalb dürfen sich auch andere Konsumgüterhersteller im Glanz der Nobelmarke sonnen. Nach Sonnenbrillen und Kaffeemaschinen verhilft die Zuffenhausener Autoschmiede nun Bierproduzent Veltins zum Sportwagen-Image.

STUTTGART. Gegen das notwendige Kleingeld, sprich Lizenzgebühren, gestaltet das Tochterunternehmen Porsche Design-Studio schon seit den 70er-Jahren alle möglichen Alltagsgegenstände. Von der Sonnenbrille über die Kaffeemaschine bis hin zum Kugelschreiber haben die Zuffenhausener schon so manchem Produkt ein moderneres Outfit beschehrt. Der neueste Coup: Bierkästen, Flaschenöffner und Bierdeckelhalter der Biermarke Veltins.

Wer glaubt, das sei den Gralshütern des klassischen Sportwagendesigns zu profan, der irrt. Schließlich hat Porsche-Chef Wendelin Wiedeking die Devise ausgegeben, dass jeder Geschäftsbereich seinen Teil zum Konzerngewinn von zuletzt 8,5 Mrd. Euro beitragen muss. „Wir machen nichts, was sich nicht rechnet“, sagt Wiedeking. Und daran hält sich auch das Porsche Design-Studio: Im vergangenen Geschäftsjahr kletterten die Erlöse mit den Devotionalien und Lizenzen rund um die erfolgreiche Sportwagenmarke um mehr als ein Drittel auf 63 Mio. Euro.

Das schnöde Streben nach schnellem Geld, das in dem renommierten Designhaus offenbar Einzug gehalten hat, löst bei anderen Porsche-Lizenznehmern zumindest Überraschung aus. Während der Name des schwäbischen Sportwagenherstellers beispielsweise beim Küchenhersteller Poggenpohl bisher nur eine hochpreisige Luxusküche ziert, reicht bei einer Brauerei offenbar schon der Rang sieben unter den deutschen Biermarken. „Wir geben zu, dass wir von dem Anspruch, der Porsche unter den deutschen Bierbrauern zu sein, noch weit entfernt sind“, räumt sogar Veltins-Chef Michael Huber ein.

Christian Schwamkrug, Design-Direktor des Porsche Design-Studios, hat zumindest einen Augenblick gezögert, bevor er den Auftrag der Traditionsbrauerei aus dem sauerländischen Grevenstein annahm. „Aber auch beim Bier können wir jetzt im Premiummarkt Zeichen setzen“, sagt Schwamkrug. Er ist sich sicher, der Grundlinie von Porsche auch bei der Gestaltung der neuen Veltins-Kästen treu geblieben zu sein.

Ein Grund, warum das Geschäft schließlich ohne Wenn und Aber zustande kam, liegt auch in der Männerfreundschaft zwischen Porsche-Boss Wiedeking und Veltins-Chef Michael Huber. Beide verstehen sich prächtig, sie sind aus gleichem Holz geschnitzt und führen die ihnen anvertrauten Unternehmen wie hochmotivierte Eigentümer – und nicht wie angeheuerte Manager.

Besonders die Sauerländer sind über die Allianz mit den Schwaben geradezu entzückt. „Die Kooperation mit dem Sportwagenhersteller ist ein Beispiel, wie sich die Industrie hierzulande gegenseitig unterstützen kann. In diesem Fall profitiert Veltins eindeutig vom guten Porsche-Image“, sagt Huber.

Der Brauerei-Chef sieht hierin eine Chance, die bodenständige Biermarke auch für jüngere Konsumenten attraktiv zu machen. Denn der deutsche Biermarkt verliert allein aus demografischen Gründen jährlich bis zu zwei Prozent an Volumen. Der klassische Pilstrinker droht in einigen Jahren sogar auszusterben. Denn junge Leute greifen eher zu trendigen Biermischgetränken oder Bio-Limonaden.

So darf sich Veltins nun als erste Brauerei mit dem Porsche-Design schmücken. Das soll nicht folgenlos bleiben: Denn bei fast 60 Prozent aller Kunden - Biertrinker eingeschlossen - ist repräsentativen Umfragen zufolge gutes Design das entscheidende Kaufmotiv. Und der neue silber-grüne Porschekasten kann sich mit seiner Drei-Komponenten-Technik von den vielen einfallslosen Modellen der Konkurrenz abheben. Veltins-Chef Huber verrät allerdings nicht, wie viel von den 35,5 Mio. Euro Investitionskosten für 3,5 Mio. Kästen schließlich bei Porsche hängengeblieben sind.

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