Veränderungen im VW-Management
Pischetsrieder unter Beschuss

Bernd Pischetsrieder geht in die Offensive. Gut eine Woche, nachdem der Volkswagen-Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch völlig überraschend und gegen den Widerstand mehrerer Mitglieder des Gremiums einen neuen Personalvorstand installiert hat, dementiert der Vorstandsvorsitzende des Wolfsburger Konzerns jegliches Zerwürfnis mit seinem Chefkontrolleur.

DÜSSELDORF. „Das ist völliger Quatsch“, sagte Pischetsrieder dem Nachrichtenmagazin „Focus“ auf die Frage, ob er sich von Piëch entmachtet fühle. Im Gegenteil: Pischetsrieder kann sich „an keinen einzigen Fall erinnern, bei dem wir anderer Meinung waren“. Deshalb habe er auch „zu keinem Zeitpunkt“ an Rücktritt gedacht.

Beobachter sehen das allerdings anders. Schon wird spekuliert, wie lange der ehemalige BMW-Manager sich an der Spitze von Volkswagen noch halten kann. Dass es die niedersächsische Landesregierung, mit 18,3 Prozent der Aktien zweitgrößter Anteilseigner bei VW, am Wochenende für nötig hielt, sich offiziell hinter Pischetsrieder zu stellen, spricht für sich. VW wollte sich nicht äußern.

Verschärft werden Vermutungen um Veränderungen im VW-Management auch durch den Abgang des ehemaligen Thyssen-Krupp-Chefs Gerhard Cromme aus dem VW-Aufsichtsrat. Crommes Kritik an Piëchs Führungsstil teilen viele Kontrolleure, nicht nur der Niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff. Auch Eon-Vorstandsmitglied Michael Gaul gilt als Widersacher Piëchs. Insider glauben, dass er bald sein Aufsichtsratsmandat bei VW aufgeben könnte.

Pischetsrieders Äußerungen vom Wochenende werden in Beraterkreisen als „Pfeifen im Walde“ interpretiert“. Denn es ist nicht das erste Mal, dass der eigenwillige VW-Aufsichtsratschef Piëch seinen Vorstandschef, den er selbst engagiert hat, öffentlich bloßstellt. So erklärte Piëch noch kurz vor dem Höhepunkt der Bestechungs- und Schmiergeldaffäre im Sommer, dass der Personalvorstand Peter Hartz nicht zur Disposition stehe. Später musste Hartz wegen der erdrückenden Vorwürfe dann doch zurücktreten. Der Vorstand des Autokonzerns unter Pischetsrieders Führung hielt sich in dem spektakulären Skandal jedoch immer auffallend zurück.

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