Verband rechnet für den Herbst mit besserer Branchenkonjunktur
Stahlindustrie bleibt trotz des China-Booms gelassen

China ist zum größten Stahlerzeuger der Welt aufgestiegen. In den vergangenen Monaten hat China sogar mehr Stahl exportiert als importiert, nachdem die Einfuhren in den vergangenen Jahren stets deutlich über den Ausfuhren gelegen hatten.

HB DÜSSELDORF. Die Stahlproduzenten in Deutschland beunruhigt das nicht: „Wir gehen nicht davon aus, dass chinesische Exporte den Weltmarkt überschwemmen werden“, sagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Dieter Ameling, in Düsseldorf.

Dabei sprechen die Zahlen zunächst eine andere Sprache: 2004 stieg die Produktion der Chinesen um über 23 Prozent. Viele Beobachter ziehen daraus den Schluss, dass die Asiaten bei einem weiteren Ausbau ihrer Stahlerzeugung das weltweite Überangebot erhöhen könnten.

Demgegenüber geht die Wirtschaftsvereinigung davon aus, dass sich mittelfristig Stahlexporte und Importe des asiatischen Landes ausgleichen werden. „China will Selbstversorger werden und Importe ablösen und nicht Nettoexporteur werden“, sagte Ameling.

Er stützt seine Annahme auf neue Richtlinien der chinesischen Regierung für die Stahlpolitik. Danach will das Land die Exporte von Stahl drosseln, indem die Steuererstattung reduziert oder ganz gestrichen wird. Neue Stahlwerke sollen nicht mehr genehmigt werden. Die Zahl der 800 Produzenten soll bis zum Jahr 2010 deutlich reduziert werden. Kleine Hochöfen sollen stillgelegt und dafür die Produktion umweltfreundlicher Stahlprodukte gefördert werden. Die zehn größten chinesischen Stahlunternehmen sollen bis zum Jahr 2010 rund die Hälfte der chinesischen Stahlproduktion auf sich konzentrieren.

Der Verband geht deshalb von einer Konsolidierung der chinesischen Stahlindustrie aus. Außerdem seien deren Produkte nur zum Teil auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig.

Nicht ganz so gelassen sieht Stahlanalyst Hermann Reith von der BHF Bank die Lage. Er erwartet in China keine Drosselung der Stahlproduktion, sondern rechnet für 2005 mit einer Stahlproduktion von 348 Mill. Tonnen, während der Verbrauch nur bei 305 Mill. Tonnen liegen werde. Der Überschuss entspricht der Stahlproduktion aller deutschen Stahlwerke. China sei das einzige Land, in dem die Stahlproduktion noch steige. Entscheidend sei, ob der Stahlüberschuss exportiert oder auf Lager gehalten werde.

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