Verbandstreffen
Bau hofft auf öffentlicher Hilfe

Die Wirtschaftskrise hat zu Jahresbeginn den deutschen Baumarkt erreicht. Im ersten Quartal sei die Nachfrage auf breiter Front eingebrochen, sagte der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Herbert Bodner, in Berlin. Die Auftragseingänge seien im Vergleich zum Vorjahresquartal um nominal 13,5 Prozent gesunken.

AXEL GRANZOW | DÜSSELDORF

Die Wirtschaftskrise hat zu Jahresbeginn den deutschen Baumarkt erreicht. Im ersten Quartal sei die Nachfrage auf breiter Front eingebrochen, sagte der Präsident des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, Herbert Bodner, in Berlin. Die Auftragseingänge seien im Vergleich zum Vorjahresquartal um nominal 13,5 Prozent gesunken. Trotz hoher Auftragsbestände seien auch die Umsätze in den ersten drei Monaten um 13 Prozent zurückgegangen. Für den Einbruch sei vor allem der harte Winter verantwortlich. Erstmals seit 2005 ist die Zahl der arbeitslosen Bauarbeiter in den Monaten März und April wieder gestiegen. Dies sei aber kein Zeichen für eine einsetzende Entlassungswelle, betonte Bodner.

Inzwischen erwarte die Mehrheit der Unternehmen bessere Geschäfte, sagte er. Für die bessere Stimmung machte Bodner die Konjunkturprogramme der Bundesregierung verantwortlich, auf die viele Bauunternehmen ihre Hoffnung setzten. Daher rechnet der Verband im Gesamtjahr nur mit einem Umsatzminus von drei Prozent. Zuwächse durch staatliche Aufträge im öffentlichen Bau könnten die Rückgänge im Wirtschafts- und Wohnungsbau nicht ausgleichen.

Der Verband erwartet, dass die Programme spätestens im zweiten Halbjahr ihre Wirkung entfalten. Davon verspricht sich die Branche "bauwirtschaftliche Impulse" von 19 Mrd. Euro, die sich zu elf Mrd. Euro auf das Bauhauptgewerbe und zu acht Mrd. Euro auf das Ausbaugewerbe verteilen dürften. Kapazitätsprobleme sieht Bodner nicht, rechnet aber mit einer leichten Preissteigerung.

Vor allem der Wirtschaftsbau, der zuletzt noch Motor der Baukonjunktur war, müsse sich auf eine längere Durststrecke einstellen, meinte Bodner, hauptberuflich Vorstandschef von Deutschlands zweitgrößtem Baukonzern Bilfinger Berger. Auftragsstornierungen nähmen zu. Im ersten Quartal sind die Aufträge in der Sparte um 20,1 und die Umsätze um 9,5 Prozent hinter den Vorjahreswerten zurückgeblieben. Im Gesamtjahr rechnet der Verband mit einem Umsatzminus um zwölf Prozent auf 30 Mrd. Euro. Mit einer Erholung sei nicht vor 2011 zu rechnen, auch wenn die gesamtwirtschaftliche Konjunktur Ende 2009 anspringen sollte.

Im Wohnungsbau sind die Auftragseingänge um 13,6 Prozent zurückgegangen, die Umsätze um 16,4 Prozent. Bodner sieht die Gefahr eines neuen Wohnungsnotstands. Denn der Neubau werde in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge hinter dem Bedarf zurückbleiben. Erwartet wird im Gesamtjahr ein Umsatzminus in der Sparte um drei Prozent auf 25,1 Mrd. Euro.

Trotz der Konjunkturprogrammme gehen laut Bodner vom öffentlichen Bau noch keine stabilisierenden Wirkungen auf die Baukonjunktur aus. Die Auftragseingänge blieben im ersten Quartal um 5,8, die Umsätze sogar um 14,1 Prozent hinter den Vorjahreswerten zurück. Im Gesamtjahr erwartet der Verband aber ein Umsatzplus um acht Prozent auf 28 Mrd. Euro, im Jahr 2010 um elf Prozent auf 31 Mrd. Euro.

Von der Entwicklung der deutschen Baubranche koppeln sich die Großkonzerne dagegen immer stärker ab. Sowohl Bilfinger als auch Branchenprimus Hochtief bestätigten erst kürzlich ihre Prognosen für das Gesamtjahr. Zwar erwarten sie leichte Rückgänge beim Auftragseingang, doch rechnen sie mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau. Die Zuversicht basiert vor allem auf einer breiten internationalen Aufstellung und dem Aufbau des margenstarken Dienstleistungsgeschäfts. Bilfinger hat gerade einen Großauftrag in Thüringen erhalten. Für die Deutsche Bahn werden drei Tunnel mit einer Gesamtlänge von zehn Kilometern für die ICE-Neubaustrecke Ebensfeld-Erfurt gebaut. Der Auftrag beläuft sich auf 290 Mio. Euro, davon entfallen 40 Prozent auf Bilfinger. Die Neubaustrecke, die schrittweise zwischen 2015 und 2017 in Betrieb gehen soll, soll die Fahrzeit zwischen Nürnberg und Berlin verkürzen.

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