Verbotene Absprachen
Razzia bei Dachziegel-Herstellern

Das Bundeskartellamt hat Geschäftsräume bei insgesamt acht führenden Herstellern von Tondachziegeln durchsucht. Es lägen Informationen vor, dass auf dem Markt für Dachziegel wettbewerbsbeschränkende Absprachen getroffen würden, teilte die Behörde am Dienstag in Bonn mit.

HB BONN/WIEN. Von den Durchsuchungen betroffen waren auch der der österreichische Konzern Wienerberger AG und der schwäbische Hersteller Creaton. Insgesamt seien acht Unternehmen durchsucht worden, teilte das Kartellamt mit. Die Namen der Firmen nannte die Behörde nicht.

Wienerberger bestätigte, die deutsche Koramic-Tochter sei von den Untersuchungen betroffen. Den Prüfern sei Zugang zu den Unterlagen gewährt worden, sagte ein Sprecher. „Generell ist aber zu sagen, dass Preisabsprachen nicht unserer Geschäftspraxis entsprechen“, betonte er. Auch Creaton bestätigte die Durchsuchungen im eigenen Haus. Der Vorstand habe keinerlei Kenntnis von wettbewerbsbeschränkenden Absprachen und kooperiere mit den Ermittlern, hieß es.

„Dem Bundeskartellamt liegen Informationen vor, dass auf dem Markt für Dachziegel wettbewerbsbeschränkende Absprachen getroffen werden“, teilte die Behörde mit. Eine Sprecherin erläuterte, es werde nun geprüft, ob sich der Anfangsverdacht bestätige. Sollte dies der Fall sein, könne das Kartellamt maximal ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen. In der Dachziegelbranche habe es noch kein Verfahren gegeben, die Baubranche sei aber schon öfter betroffen gewesen.

Für Aufsehen hatte ein Kartell von Zementherstellern gesorgt. Das Bundeskartellamt hatte 2003 Bußgelder in Höhe von insgesamt 660 Mill. Euro gegen Marktführer Heidelberg Cement, Holcim, Lafarge, Dyckerhoff, Schwenk und den Kronzeugen Cemex (früher Readymix) verhängt. Die Firmen zahlten das Bußgeld nicht und legten gegen den Bescheid des Kartellamtes Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf ein.

Vor dem Düsseldorfer Landgericht beginnt am Mittwoch ein Zivilprozess, in dem von den Firmen mehr als 150 Mill. Euro Schadenersatz gefordert wird. Das Verfahren hat die Brüsseler Aktiengesellschaft Cartel Damage Claims (CDC) angestrengt. CDC-Verwaltungsrat und Kartellanwalt Ulrich Claasen hatte angekündigt, Forderungen von Mittelständlern gegen Mitglieder des Kartells aufzukaufen, sie zu bündeln und dann zivilrechtlich durchsetzen zu wollen.

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