Verbund-Chef Haider macht Staat verantwortlich
Österreichs Strommarkt schottet sich ab

Die österreichischen Stromerzeuger sind heillos zerstritten. Das Land hat zwar seinen Energiemarkt vor vier Jahren auf dem Papier liberalisiert; seither ringt es jedoch um einen einheitlichen Kurs bei der Öffnung der Strommärkte.

WIEN. Die österreichischen Stromerzeuger sind heillos zerstritten. Das Land, das mit seiner niedrigen Staatsverschuldung und Arbeitslosenrate oft als Musterschüler in Europa dargestellt wird, hat zwar seinen Energiemarkt vor vier Jahren auf dem Papier liberalisiert; seither ringt es jedoch um einen einheitlichen Kurs bei der Öffnung der Strommärkte. Die Schuldigen sitzen in den Unternehmen – und in der Politik, wie Hans Haider feststellt, Chef des Verbund-Konzerns und damit des größten Stromerzeugers im Alpenland. „Die Politik sagt Ja zum Wettbewerb, will aber auf der anderen Seite einen österreichischen Stromkonzern schmieden, der den Europäern Paroli bietet. Das ist ein Widerspruch“, sagte Haider dem Handelsblatt.

Die Aussage dürfte dem mit 51 Prozent größten Verbund-Aktionär, dem Staat, nicht gefallen. In Österreich sind Bund und Länder per Verfassung dazu verpflichtet, einen wesentlichen Anteil am jeweiligen Energieversorger zu halten. Der ansonsten liberale Wirtschaftsminister Martin Bartenstein stellt diese Regelung auch nicht in Frage: Es solle eine Beteiligung beim Bund verbleiben, sagte er dem Handelsblatt. Allerdings wirbt er seit Jahren darum, dass sich der Verbund gemeinsam mit den Landesversorgern zur so genannten österreichischen Stromlösung zusammenfindet. Er sieht darin ein Instrument, um einen Konzern in Österreich zu schaffen, der es mit Vattenfall, Eon und Co. aufnehmen könnte. Das Projekt ist sogar von der EU bereits genehmigt worden. Dennoch kommt es nicht voran.

Alle Beteiligten überschütten sich seit zwei Jahren mit Gutachten, die je nach Interessenlage für oder gegen die Stromlösung ausfallen. Haider, der im Verbund-Konzern auch ohne die Stromehe allein im ersten Quartal 2005 den Umsatz um 20 Prozent auf 874 Mill. Euro und das Konzernergebnis gleich um knapp 96 Prozent auf rund 97 Mill. Euro verbessern konnte, ist klar dagegen: Der Wettbewerb auf den Energiemärkten sei in Österreich bereits eingeschränkt, stellt er fest. „Da kann ich doch nicht auf allen Stufen mit meinen Wettbewerbern in ein Boot steigen.“ Darüber hinaus hält er die Konkurrenz aus Europa für lange nicht so gefährlich, wie der Vertreter des Mehrheitsaktionärs. Im Gegenteil: Der Verbund selbst geht mehr und mehr ins Ausland. In Deutschland wuchs er im vergangenen Jahr um 26 Prozent, landet allerdings noch immer bei einem Marktanteil von unter fünf Prozent. Aus Österreich dagegen haben sich ausländische Unternehmen wie die deutsche EnBW vergangenes Jahr zurückgezogen. „Wenn ein riesiger Wettbewerber kommt, können wir ja noch immer weiter integrieren“, sagt Haider. Bis dahin allerdings arbeitet er lieber am eigenen Erfolg und hat zu Beginn dieses Monats einen umstrittenen Schritt unternommen: Der Verbund bietet nun auch österreichischen Privathaushalten an, sie direkt zu beliefern. Bisher floss der Verbund-Strom nur über Zwischenhändler in die Steckdose der Privathaushalte.

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