Verdacht auf Insider-Geschäfte
Ermittler durchsuchen EADS-Büros in Paris

Weil sich Mitarbeiter von EADS mit Insider-Geschäften bereichert haben sollen, hat die Polizei die Büros des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns in Paris durchsucht. Auch ranghohe Manager stehen unter Verdacht.

HB PARIS. Ein Sprecher von EADS bestätigte die Durchsuchungen vom Dienstag, nannte aber keine Einzelheiten. Nach Angaben aus dem Unternehmen wurden auch Büros der Raumfahrt-Sparte des Konzerns in Paris durchsucht. Branchenkreise berichteten, auch beim EADS-Großaktionär und Mischkonzern Lagardère habe es eine Hausdurchsuchung gegeben.

Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte am 20. November Ermittlungen beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern eingeleitet, nachdem Aktionärsschützer gegen massive Aktienverkäufe von zahlreichen Topmanagern geklagt hatten. Es besteht der Verdacht auf Irreführung der Börsenöffentlichkeit und Insider-Delikten.

Der frühere Airbus-Chef Noël Forgeard, der Leiter der EADS-Rüstungssparte Stefan Zoller und der neue Airbus-Chef Fabrice Brégier hatten EADS-Aktien teilweise mit Millionengewinnen verkauft, bevor die Probleme bei der Fertigung des Großraumflugzeugs A380 am 13. Juni 2006 offiziell wurden und der Aktienkurs um mehr als ein Viertel einbrach. Auch die industriellen Hauptaktionäre Daimler-Chrysler und die französische Lagardère-Gruppe trennten sich von Anteilen. Sollten sie von den Verzögerungen gewusst haben, wäre dies strafbar.

Zwei Ermittlungsrichter sind an dem Fall dran. Parallel prüft auch die französische Börsenaufsicht AMF die verdächtigen Aktienverkäufe. Medienberichten zufolge geht sie davon aus, dass die EADS-Hauptaktionäre bereits im März über mögliche Lieferverzögerungen beim A380 informiert wurden. Insgesamt habe die AMF 800 Personen im Verdacht, schrieben Zeitungen.

Alle Verdächtigen beteuern, nichts von den möglichen Lieferverzögerungen gewusst zu haben. Auch EADS erklärte, es seien auf einer Sitzung der Führungsspitze am 7. März keine Informationen über die schwerwiegenden Pannen bekannt gewesen. EADS-Co-Chef Tom Enders deutete indes vor einer Woche an, dass damals sehr wohl Insider-Wissen kursierte. Er habe Aktienverkäufe im März nicht für opportun gehalten, sagte er in München.

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