Verdacht auf Insiderhandel
Aufsicht weitet EADS-Ermittlungen aus

Die Ermittlungen gegen die EADS wegen des Verdachts auf Insiderhandel sollen laut Medienberichten ausgeweitet werden. Die französische Börsenaufsicht AMF untersucht nun auch auf die Finanzkommunikation des Konzerns.

PARIS. Laut einem Bericht der Tageszeitung „Le Monde“ prüfen die Ermittler, ob EADS die Märkte über die Verspätung des Super-Airbus A380 stets korrekt und rechtzeitig informiert habe. Der Verdacht: Das EADS-Management habe zu spät über das Ausmaß der Probleme bei der A380 kommuniziert. Die AMF wollte den Bericht am Wochenende nicht kommentieren. Ein Sprecher von EADS erklärte, dass der Konzern die Märkte stets korrekt informiert habe.

Damit ermittelt die französische Börsenaufsicht nun in zwei Stoßrichtungen: Seit rund 18 Monaten prüft die AMF, ob 21 Top-Manager des Konzerns sowie die beiden Großaktionäre Daimler und Lagardère bei ihren Aktienverkäufen vom November 2005 bzw. Frühjahr 2006 von Insiderwissen über die Probleme der A380 profitiert haben. Zu den Insidervorwürfen ermittelt auch parallel die französische Justiz. Nun nimmt die AMF auch die Finanzkommunikation aus der Periode Ende 2005 bis Anfang 2006 unter die Lupe. Wegen dieser Ausdehnung der Ermittlungen würde EADS-Manager wie Ex-Konzernchef Noel Forgeard, erneut von der AMF verhört werden, schreibt „Le Monde“.

EADS hatte am 13. Juni weitere Verspätungen der A380 gemeldet. Die Aktie war daraufhin um 26 Prozent eingebrochen. „Noch im März 2006 hatte sich das EADS-Management gegenüber Analysten optimistisch zur Filiale Airbus geäußert“, zitiert „Le Monde“ Colette Neuville, Präsidentin von Frankreichs Aktionärsschutzverband Adam. Sie bezieht sich dabei auf eine Investoren-Konferenz am 13. März in New York. Dabei habe das Management zu diesem Zeitpunkt bereits Zweifel über die Probleme bei Airbus haben müssen, meint Neuville.

Die Frage, ob EADS rechtzeitig die Märkte über die Probleme der A380 gewarnt hat, war bereits Thema der Debatte auf der außerordentlichen Hauptversammlung am vergangenen Montag in Amsterdam. Sowohl die Großaktionäre Lagardère und Daimler, als auch das EADS-Management betonten bei dieser Gelegenheit erneut, dass sie bis Juni den Zusicherungen von Airbus geglaubt haben, denen zufolge der Flugzeughersteller die Probleme bei der A380 mit erhöhten Anstrengungen in den Griff bekommen würde. „Wenn ihnen die Experten sagen, dass die Probleme der A380 keine Auswirkungen auf die Ergebnisse haben werden, dann glaube ich den Experten“, verteidigte sich Arnaud Lagardère auf der Hauptversammlung. Und der neue EADS-Chairman Rüdiger Grube betonte: „Die Märkte sind stets kor-rekt informiert worden.“ Niemand habe daher bei EADS von Insiderwissen bei den Aktienverkäufen profitiert.

In einem Zwischenbericht an die Justiz, aus dem der „Figaro“ zitiert hatte, zeigte sich die Börsenaufsicht dagegen überzeugt, dass es „massive“ Insider-Verfehlungen bei EADS bei den umstrittenen Aktienverkäufen gegeben habe. Im nächsten Frühjahr soll der Abschlussbericht zu den Insidervorwürfen vorliegen; dann entscheidet die AMF, ob sie das eigene Sank-tionskommittée mit dem Fall betraut; dieses wird dann über mögliche Geldstrafen entscheiden.

Das Problem: Es gilt als extrem schwer, handfeste Beweise für Insider-Vorwürfe zu finden, so dass eine Strafe der AMF auch einer Widerspruchsklage vor Gericht stand hält. Eine Falsch-Information der Finanzmärkte indes gilt als leichter zu belegen. In der Affaire Vivendi vom Anfang des Jahrtausends zum Beispiel hatte die AMF die Insidervorwürfe gegen Konzern-Chef Jean-Marie Messier letztlich fallen gelassen. Dagegen wurde er bestraft, da er die Märkte über den desaströsen Finanzzustand seiner Gruppe nicht korrekt informiert habe.

Die EADS-Affäre sorgt für enormen Wirbel. Selbst Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy verlangte bereits eine lückenlose Aufklärung und eine eventuelle Bestrafung. Die noch junge fusionierte Börsenaufsicht Frankreichs würde erheblich an Ansehen verlieren, sollten all ihre Ermittlungen eines Tages ohne konkrete Sanktionen enden.

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